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2. Juni 2017

Moabit - Eine Insel in Mitte (Stadträtin unterwegs)

Mitte Mai habe ich mit der Regional-AG Moabit einen Kiezspaziergang gemacht. In dreieinhalb Stunden führte er vom Aktionsspielplatz am Stephanplatz u.a. über den Schulgarten, das Mädchenzentrum Dünja, die B 8 bis zum Zilleklub in der Rathenower Straße.

Die Bezirksregionenprofile zeigen, dass weite Teile von Moabit Ost und West nach wie vor von Kinderarmut, Bildungsdefiziten und hoher Beschäftigungslosigkeit geprägt sind. Die Kinderarmut liegt in Mitte - auch in Moabit - insgesamt bei ca. 50 Prozent weit über den Berliner Werten von 30 Prozent. Klar ist: die materiellen Lebensverhältnisse prägen die Kindheit stark und haben Einfluss auf die gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und Gesundheit.

Bezirkspolitik muss auf Kinderarmut reagieren, auch die Jugend- und Familienarbeit. Familien in sozial prekären Lagen sind häufig schwer erreichbar, Sprachdefizite, Gesundheits- und Schulabgängerprobleme sind verbreitet. Kiezmütter, Lotsen und Familienzentren sollen die Eltern erreichen. Angebote wie Karame und Dünja sind speziell für Mädchen und Jungen, die zu Dreiviertel einen Migrationshintergrund haben. Sprachliche und kulturelle Vielfalt sind damit in Moabit wie in Mitte insgesamt Normalität. Positiv ist die zunehmende Vernetzung von Kitas, Schulen und außerschulischen Einrichtungen im Bildungsverbund Moabit, der die Kinder und Jugendlichen an den Übergängen Kita - Grundschule und Grundschule - Oberschule unterstützen soll. Einrichtungen wie der pädagogisch betreute Spielplatz Ottopark oder der Schulgarten sind grüne Oasen im grünflächenarmen Moabit und vermitteln zudem naturwissenschaftliche Kenntnisse. Engagierte Akteure wie die REFO-Community stecken ihre Energien in den Kiez, Land und Bezirk haben mit Mitteln aus Programmen der sozialen Stadtentwicklung viele Quartiere saniert und aufgewertet.

Aber im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit gilt, dass ohne Finanzierungssicherheit und personelle Absicherung ein kontinuierliches und nachhaltiges Angebot nicht möglich ist. Das Land muss durch ein Jugendfördergesetz und ein Familienfördergesetz endlich verbindliche Grundlagen dafür schaffen, damit die Bezirke diese wichtige soziale Infrastruktur ausreichend fördern. Kinder-, Jugend- und Familienarbeit ist keine freiwillige soziale Leistung, sondern Grundversorgung mit sozialer Infrastruktur.

Dr. Sandra Obermeyer, Stadträtin