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27. Oktober 2017

DAS IST DAS LETZTE

Unsere Bausenatorin braucht immer einen Helm. Um sie herum lauern mehr Nackenschläge als Ritterschläge! Katrin Lompscher steht in einer Zwei-Fronten-Schlacht. Es müssen eilig, billig und tauglich tausende Sozialwohnungen entstehen, denn die Vorgänger hatten das Problem unterschätzt. Zugleich geht es um die Rettung des alten Stadtkerns, weil hier nach Weltkrieg und Wende der Wildwuchs und das „Weg-damit!“ tiefe Wunden schlugen. Wie lässt sich das korrigieren? Die Senatorin lässt Architekten und Bürger befragen, Ziele benennen, Pfähle in den Stadtplan rammen, Entwürfe begutachten, Aufträge erteilen, Kosten prüfen und das auf hundert Baustellen zugleich. Das braucht Zeit, Kraft und Nerven unter öffentlichem Beschuss. Manche Zeitung sagt: Zu langsam! Viele Beteiligte stöhnen: Zu übereilt! Aus meiner Sicht: Trotz allem gut! Warum?
Häuser bauen und Kieze retten heißt, das künftige soziale und materielle Leben der Bewohner für Jahrzehnte in Stein gießen: Wo fehlen welche Bauten, welche Kabel und Rohre, Läden, Schulen, Kitas, Parkplätze, Radwege, Ärzte, Bäume und Büros? Und wehe, da wird ein Blindgänger entdeckt oder ein Gerüst vom Sturm halbiert, dann ist Pause! Auch wenn Fachleute fehlen. Der jahrelange Sparzwang hat die Infrastruktur der Hauptstadt sehr störanfällig gemacht!

Bei alledem wollen und sollen die Bürger mitreden. Das kann helfen, aber auch blockieren. Auf der Fischerinsel wurde ein geplantes Hochhaus der WBM zu Fall gebracht. Zuvor fielen 68 Bäume per Kettensäge. Nun soll das benachbarte Hochhaus mehr Sonnenlicht behalten, aber die Bäume und Bänke sind weg. Die Schutzzone des alten Stadtkerns wurde endlich erweitert. Am Molkenmarkt, Petriplatz, an der Gertraudenbrücke und dem Marx-Engels-Forum geht das Ringen um die Reste unserer bewegten Geschichte weiter. Wenn am Ende mehr Zufriedenheit wächst, wäre das ein unbezahlbarer Gewinn für die fiebrige Metropole! 


Arthur Paul