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6. Dezember 2017

„Einstürzende Altbauten“ in der Weddinger Burgsdorfstraße

Steine und Putz bröckeln zurzeit aus dem obersten Stockwerk des Hauses Burgsdorfstraße 1, direkt neben der Berliner SPD-Zentrale in der Müller-/Ecke Burgsdorfstraße im Wedding, weil die gegenwärtige Eigentümerin das Gebäude seit 15 Jahren total verkommen lässt.

Bezirksstadtrat Ephraim Gothe informierte im Oktober darüber, dass es der Verwaltung seit über zehn Jahren nicht gelungen ist, die Eigentümerin zur Instandsetzung zu bewegen. Die Mieter sind nach und nach ausgezogen, anscheinend hat sich keiner gewehrt. Inzwischen musste (zunächst auf Kosten des Bezirksamts) ein Schutztunnel für die Passanten gebaut werden.

Wegen der Trümmergefahr durch abbröckelnde Wände war die Burgsdorfstraße auch bisher schon Einbahnstraße geworden. Laut Pressemeldung des Bezirksamtes ist das Dach des völlig maroden Schrotthauses großflächig defekt; an vielen Stellen zeigt sich „echter Hausschwamm“; mehrere Decken sind eingestürzt. Die Einsturzgefahr für das Vorderhaus stellte ein Gutachter bereits Ende September fest.  Jetzt wurde eine beidseitige Sperrung für den Durchgangsverkehr angeordnet. Wegen der Baufälligkeit will der Bezirk das Haus abreißen lassen und klagt vor dem Verwaltungsgericht, auf ein beschleunigtes Verfahren hoffend. „Aber die Eigentümerin kann dann auch in die nächste Instanz gehen“, so die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes Mitte.

Es ist offensichtlich, dass in der Burgsdorfstraße 1 aufgrund der relativ zentralen Lage an U-Bahnhof, S-Bahnhof und der Müllerstraße durch Grundstücksverkauf und/oder Neubau mehr Profit herausgepresst werden soll, egal welche Nachteile für die Mieter und die Allgemeinheit entstehen. Die Eigentümerin besitzt übrigens noch zwei andere Häuser in Berlin, die der Bauaufsicht durch Leerstand und Missachtung der Instandsetzungspflicht ähnliche Probleme bereiten. Man darf gespannt sein, ob auch dort durch mutwilligen Verfall, vollständige Unbrauchbarkeit und Missachtung der Gesetze jede Menge Profit erzeugt werden wird.

Rainer Scholz