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30. Januar 2018

Kälte, Hilfe, Lösungen

In Berlin leben Tausende Menschen auf der Straße. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es noch vor einiger Zeit vorwiegend Männer, sieht man nun mehr und mehr Frauen, auch Familien, die ohne Wohnung sind. Die meisten von uns haben sich sicher schon oft die Frage gestellt, wie man draußen bei Temperaturen unter Null durchhält.

Wohnungslosigkeit ist politisch nicht vertretbar. Dieser Satz ändert aber erst einmal nichts daran, dass es sie gibt und das Problem größer wird. Es ist völlig egal, welche Sprache jemand spricht und aus welchem Grund er oder sie ohne Bleibe ist. Geholfen werden muss. Wir haben im Landeshaushalt die Mittel für die Wohnungslosenhilfe verdreifacht und die Kältehilfe ausgebaut. Wir haben die Straßensozialarbeit und die Bahnhofsmission gestärkt. Klar ist, dies alles sind Hilfen für jenen Zeitpunkt, da das Kind bereits im Brunnen liegt. Ziel muss sein, Wohnungslosigkeit zu verhindern, nicht nur zu lindern, wenn jemand davon betroffen ist. Linderung nicht zu ermöglichen und darauf zu warten, dass sich die Dinge bessern und die Temperaturen steigen, wäre allerdings unterlassene Hilfeleistung. Also müssen wir beides tun.

Ab diesem Jahr finanzieren wir eine präventive Energieschuldenberatung, denn diese Schulden sind oft das Einfallstor für Wohnungslosigkeit. Wir bauen die Schuldner-, Insolvenz- und unabhängige Sozialberatung in den Bezirken aus.

Im Januar hat unsere Senatorin Elke Breitenbach eine Strategiekonferenz veranstaltet, auf der eine Neufassung der Leitlinien der Wohnungslosenhilfe vorgestellt wurde. Leitlinien, nun ja, werden manche sagen. Aber wenn mit diesem Prozess das Ziel verbunden ist, Wohnungslosigkeit zu verhindern, reden wir hier eben nicht von Kosmetik und schönen Worten.

Wir dürfen und werden uns nicht daran gewöhnen, dass Menschen unter Brücken, in Parks, in U-Bahnhöfen, Hauseingängen, unter Balkonen, auf Bänken schlafen. Bundesweit, so wird geschätzt, sind rund 860.000 Menschen wohnungslos. Verlässlich sind die Zahlen nicht. DIE LINKE fordert seit vielen Jahren eine verlässliche bundesweite Wohnungsnotfallstatistik. Mit solchen Dingen verhält es sich allerdings ähnlich wie mit Armuts- und Reichtumsberichten. Mag niemand hören und lesen und wenn sie dann doch entstehen, wird noch ein bisschen geschönt, damit es sich nicht so schlimm liest. Wir werden weiter fordern und in Berlin werden wir handeln.

 

Carola Bluhm