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4. Oktober 2017

Kameraüberwachung: Das Globuli der Sicherheitspolitiker

Der Schrei nach mehr Kameraüberwachung ist das Placebo deutscher Law-and-Order-Politiker, die sich profilieren wollen. Immer mal wieder kommt die Forderung nach mehr Massenüberwachung der Bevölkerung hoch.

Dabei ist bezeichnend, dass eine Maßnahme gefordert wird, die nicht nur in die Grundrechte der gesamten Bevölkerung eingreift, sondern die dazu auch noch ineffektiv bei dem ist, für das sie eingeführt werden soll: Die Verbrechensbekämpfung.

Wie bei allen einfachen Lösungen für komplexe Probleme handelt es sich mit dem Ruf nach mehr Überwachung um eine Scheinlösung, angeheizt durch alle paar Wochen in den Medien wieder auftauchende Überwachungsbilder eines Straftäters. Dass in 99 Prozent der Fälle keine Videokamera gebraucht wird, um Straftäter zu fangen und dass die Veröffentlichung von Videobildern das allerletzte Mittel der Polizei ist, fällt dabei immer unter den Tisch.

Selbst wenn einem der Eingriff in die Grundrechte egal ist und die Massenüberwachung der Bevölkerung kein Problem darstellt: Alle Statistiken und wissenschaftlichen Studien belegen, dass ein Ausbau der Kameraüberwachung nichts bringt und zu teuer wird, im Vergleich mit anderen Maßnahmen, die man treffen kann.

In London, der bestüberwachten Stadt der Welt, wird pro 1000 Kameras genau ein Verbrechen pro Jahr aufgeklärt. Für das gleiche Geld, was die Kameras in Anschaffung und Unterhalt kosten, könnte man 7 Polizisten dauerhaft einstellen, die pro Jahr (Berliner Durchschnitt) 62 Fälle aufklären würden. Für das gleiche Geld kann man also, statistisch gesehen, einen Fall oder 62 Fälle pro Jahr aufklären.

Aber man muss nicht einmal nach London gehen. In Berlin plant die BVG 43 Millionen Euro auszugeben, um 173 Stationen mit modernen Kameras nachzurüsten. Das sind ca. 277.500 € Anschaffungskosten und 36.000 € laufende Kosten pro Jahr pro Station. Für das gleiche Geld könnte die BVG Sicherheitsleute einstellen und somit ihr Sicherheitspersonal insgesamt mehr als verdoppeln. Das würde wirksam Verbrechen verhindern und nicht nur ein bisschen bei der Aufklärung helfen.

Videoüberwachung ist das Schlangenöl angeblicher Sicherheitspolitiker. Kauft es nicht!


Andreas Böttger