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1. Juni 2017

KULTUR IN DER GANZEN STADT

Foto: Rico Prauss

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa

 

 

Berlinerinnen und Berliner für Kunst und Kultur begeistern, die bisher keinen Zugang dazu haben, das kann und muss vor allem in den Bezirken gelingen.

Und in einer Zeitung für Berlin-Mitte darüber zu schreiben, mag zunächst nicht ganz so naheliegend sein. Natürlich ist hier die Dichte kultureller Angebote so groß, dass die Frage der Nähe nicht im Fokus zu stehen scheint.

Wenn ich will, dass sich Berliner*innen unseren Kultureinrichtungen nahe fühlen, sich dort akzeptiert und erwünscht fühlen, müssen die Einrichtungen ihnen aber auch in einem einfachen räumlichen Sinne nahe sein. Aber so wie das für Spandau und Marzahn gilt, gilt für Mitte sicher, dass räumliche Nähe allein auch nicht alle Zugangsprobleme löst. Und vor allem nicht das Problem einer kulturellen Mindestausstattung für Jede und Jeden.

Auch und gerade in Mitte scheint das bedroht – nicht zuletzt das Beispiel der Insel-Galerie hat uns gleich am Anfang der Legislaturperiode vor Augen geführt, dass Basiskultur es selbst im kommunalen Wohnungsbestand schwer hat.

 

Das verweist auf eine komplexe Aufgabe, die weit über die Kompetenz der Kulturverwaltung hinausreicht: Wenn wir bis 2021 zweitausend Atelier- und Produktionsräume für Künstler*innen sichern wollen, muss nicht nur das Arbeitsraumprogramm verstärkt werden. Bei den Wohnungsbauvorhaben müssen auch Orte für kulturelle und künstlerische Nutzungen mitgeplant werden. Bibliotheken, Musikschulen, kleine Spielstätten und auch Arbeitsräume müssen sich in den Sozialen Infrastrukturkonzepten (SIKO) der Bezirke wiederfinden!

Was wir können, ist die Verdopplung des Bezirkskulturfonds: ein erster und angesichts der Größenordnungen bezirklicher Aufgaben und der Kulturförderung in anderen Bereichen letztlich kleiner Schritt.

Ich will im Gespräch mit den Bezirken den Stellenwert der Kultur in der bezirklichen Auseinandersetzung um Ressourcen stärken. Natürlich liegt die Verantwortung für vieles in den Bezirken und es wäre fatal, das ändern zu wollen. Das heißt für mich dann im Übrigen auch: Wenn Bezirke politisch gegen Kultur entscheiden, kann ich das nicht aufheben.

Die Willensbildung im Interesse von Kultur unterstützen, werde ich mir aber gestatten. Mit dem Kampf um die Deutungshoheit der Festlegung aus der Koalitionsvereinbarung, zu 20 Prozent festangestellten Mitarbeiter*innen in den Musikschulen hat das begonnen, sehr konkret und irdisch zu werden. Dazu gehört auch unser Einsatz für starke Jugendkunstschulen. Weil wir das wollen, weil wir ein Partner autonomer Bezirke sein wollen, denken wir über die Errichtung eines Referats Bezirke und Teilhabe in der Kulturverwaltung nach. Bibliotheksentwicklungspläne, Kulturentwicklungspläne, Musikschulkonzepte, wie sie in den Bezirken auf der Tagesordnung stehen, brauchen unseren Rat und gegebenenfalls auch Förderung. Die in den Bezirken geleistete  Erinnerungsarbeit ebenso.

Dazu auch gehört, dass wir keine „Bezirksbesuche“ organisieren, wo dem Senator zugejubelt werden darf, sondern einen Kulturdialog vor Ort, bei dem wir lernen und die Punkte zur Stärkung von Kulturpolitik in den Bezirken finden wollen.

Am 17. Mai 2017 habe ich mit einem 8-stündigen Besuch bezirklicher Kultureinrichtungen im Bezirk Spandau von Berlin angefangen. Der Bezirk hat die Schwerpunkte gesetzt, ich habe mir die Zeit genommen, viel geredet, manches gelernt. So werde ich das in allen Bezirken fortsetzen – und irgendwann kommen wir auch nach Mitte.