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8. Februar 2017

Sigmund Jähn wird 80 Jahre alt

Bundesarchiv, Bild 183-T0709-148 / Peter Koard / CC-BY-SA

„Dringendste Aufgabe der Menschheit: die Erde für künftige Generationen bewahren.“

Am 13. Februar vor 80 Jahren wurde Sigmund Jähn im Vogtland geboren. Der gelernte Buchdrucker war der erste Deutsche im Weltraum.

Im Jahr 1976 wurde Sigmund Jähn für das Interkosmos-Programm ausgewählt. Interkosmos wurde im Jahr 1967 zwischen der Sowjetunion und zehn weiteren sozialistischen Staaten gebildet. Es diente der friedlichen Erforschung des Weltraums und ermöglichte es erstmalig, dass Menschen, die nicht aus der Sowjetunion oder der USA stammten, in den Weltraum fliegen konnten.

Die Sowjetunion stellte dabei die Raketen und die Sojus-Raumschiffe, die anderen Staaten sollten für ihre Interkosmos-Missionen eigene Geräte, Messinstrumente und Anlagen entwickeln.

Am 26. August 1978 startete der dritte bemannte Raumflug des Interkosmos-Programmes zur Raumstation Salut 6 mit dem Kosmonauten Sigmund Jähn an Bord. Die Mission galt wissenschaftlich als sehr erfolgreich und einige in der DDR hergestellte Geräte bewährten sich, wie die Multispektralkamera MKF 6.

Jähn blieb der einzige Kosmonaut der DDR im Weltraum. Nach seiner Raumfahrtmission wurde er stellvertretender Leiter des Zentrums für Kosmische Ausbildung und 1983 promovierte er auf dem Gebiet der Fernerkundung der Erde. Seit 1990 arbeitet er als freier Berater für das Astronautenzentrum des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt und seit 1993 für die European Space Agency.

Aktuelle Entwicklungen, wie z.B. den Weltraumtourismus, in der Raumfahrt sieht Jähn kritisch: „Zum Schutz der Atmosphäre ist es ein Unterschied, ob man 50 oder 5000 Raketen hoch schießt. Spacetrips aus reinem Spaß oder bloßer Profitgier lehne ich ab“, sagte er 2006 bei einer Konferenz in Prag.

In den letzten Jahren ist weltweit die Weltraumforschung immer mehr in den Hintergrund gerückt. Weltraumtourismus, Space-Mining (Ressourcenabbau auf Asteroiden) und die Militarisierung des Weltraums rücken immer mehr in den Fokus der Entwicklung. Zwischen den USA, China und Russland gibt es seit 2007 ein Wettrüsten auch im All. Die Aufforderungen Chinas und Russlands, ein internationales Abkommen zu schließen, um die Militarisierung des Weltraums zu verbieten, wurden von den USA ignoriert, die auf ihr Recht auf Selbstverteidigung im Weltraum bestehen.

Wäre es da nicht besser, wenn man sich an Jähns Ausspruch halten würde:

„Schon vor meinem Flug war mir bewusst, wie klein und verletzbar unser Planet ist. Aber erst als ich ihn vom Weltraum aus sah, in all seiner unglaublichen Schönheit und Zartheit, erkannte ich: Die dringendste Aufgabe der Menschheit besteht darin, für die Erde liebevoll zu sorgen und sie künftigen Generationen zu bewahren.“

 

Andreas Böttger