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29. Januar 2014 mittendrin

Warum teuer wohnen, wenn es auch preiswert geht?

Die Mieterinnen und Mieter im Block Karl-Liebknecht-Str./Memhardtstr./Rosa-Luxemburg-Str. sehen schweren Zeiten entgegen. Kürzlich erhielten sie eine Modernisierungsankündigung, die nicht nur baubedingten Schmutz und Lärm voraussagt, sondern auch eine kräftige Mieterhöhung. Die Bewohnerschaft rund ums Tempelhofer Feld bangt um ihr noch relativ preiswertes Wohngebiet, weil Neubau die Gegend aufzuwerten und zu verteuern droht. Ebenso die Bewohnerinnen und Bewohner rund um den Mauerpark, die auch aus Angst vor neuen teuren Wohnungen und damit einhergehender Aufwertung und Verdrängung seit Jahren jegliche Bebauung des Mauerparks bekämpfen. Wohnungsneubau sollte Wohnungsnot bekämpfen und der Miettreiberei entgegenwirken. Warum herrscht eine solche Angst vor Wohnungsneubau in dieser Stadt?

Die Antwort ist einfach. Es bauen die Falschen! Die Reichen bauen für die Reichen, aber niemand baut für die Armen! Es gibt in Berlin einen von der Politik verantworteten, jahrelang ignorierten und bestrittenen eklatanten Mangel an preiswerten Wohnungen. Und es gibt einen eklatanten Mangel am Willen, wirksam etwas dagegen zu tun. Auch mangelt es den politischen Entscheidungsträgern offenbar an Phantasie und Kreativität.

Berlin muss seine Grundstücke und Fördermittel nicht Baulöwen wie der Groth-Gruppe in den Rachen schmeißen. Solche können und wollen nur Profit, also teuer Wohnen. Wer nicht von Profitgier getrieben, sondern aus Verantwortung für die Stadt und seine Menschen, aus Liebe für seinen Kiez heraus agiert, will und kann anders.

Den Beweis wollen junge Berliner Architekten in Kooperation mit der Mietergenossenschaft Selbstbau e.G. und dem Mietshäuser Syndikat antreten. Gemeinsam wollen sie das ehemalige Diesterweg-Gymnasium in Wedding umnutzen. Sie wollen durch Um- und Neubau 280 neue Wohnungen schaffen und mitten im Wedding ein soziokulturelles Zentrum errichten. Weitere Kooperationspartner sind lokale Akteure wie das Quartiersmanagement und der Quartiersrat Brunnenviertel, ein Stadtteilverein und die BürgerplattformWedding/Moabit. Das Wohnen wird hier 5,50 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche kosten. Angst vor Verdrängung hat hier niemand.

Bei Groth im Mauerpark wird der Quadratmeter nicht unter 13 Euro zu haben sein. Preiswert ist nicht sein Stil.

Warum geht’s auch preiswert? Die Antwort der Initiative ist schlicht: Verzicht auf Profit. Und dass sie es können, haben sie mehrfach bewiesen in Berlin.

Es geht also auch anders, vorausgesetzt man will!

Sven Diedrich