Zurück zur Startseite
27. Oktober 2017

Was bedeutet mir die Oktoberrevolution?

Ich gehöre wahrscheinlich zur letzten Generation der Ostdeutschen, die noch sehr früh mit der Geschichte der Oktoberrevolution vertraut gemacht wurden. Im Rahmen der Schule, wie auch der außerschulischen Aktivitäten, lernten wir seiner Zeit ideologisch ausgelegt, was Lenin und seine Bolschewiki für uns alle gewagt und getan haben. Aber auch im Alltag begegnete mir in der ersten, zweiten und dritten Schulklasse die Revolution häufig, nämlich immer dann, wenn ich meine Adresse schreiben sollte: Straße des Roten Oktober 24, 15232 Frankfurt Oder. Aber in diesem Alter hatte ich weder die Reife noch das nötige geschichtliche Grundwissen, um zu begreifen, was die Revolution überhaupt bedeutete.

Auch die Erfahrungen mit Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung fehlten mir und ich war natürlich überhaupt nicht in der Lage, diese Dinge in mein Denken einzuordnen. Deshalb war die Oktoberrevolution für mich sehr lange etwas Abstraktes, etwas, was mit meinem Leben keine Berührungspunkte hatte. Dies änderte sich wohl erst zwanzig Jahre später und ohne die Aufgabe, das hier in Kürze aufzuschreiben, hatte ich mir das wohl nicht wirklich bewusst gemacht.

Die Oktoberrevolution hat die Lebensbedingungen aller Menschen in dieser Welt auf irgendeine Art und Weise beeinflusst. Sie hat dafür gesorgt, dass sich die Welt nicht einseitig entwickelt hat. Die populärere kubanische Revolution hätte wohl nie auf der Weltbühne ihre inspirierende Wirkung entfalten können, hätte nicht am anderen Ende der Welt durch die Oktoberrevolution ein lebenswichtiger Partner für Castro und Co bereitgestanden.

Mir ist die Oktoberrevolution zwar nicht vordergründig bewusst, aber aufgrund ihrer kausalen Wirkung stets gegenwärtig. Sie ist quasi ein Geschichtsereignis, das durch die Kausalität der darauf folgenden Abläufe auf diesem Planeten mir die Möglichkeit gibt, kritisch über die Verhältnisse, in denen wir leben, nachzudenken und mir Formen eines gerechteren Zusammenlebens aller Menschen vorzustellen. Dass ich an die Chance einer Möglichkeit für eine sozialistische Gesellschaft glaube, habe ich wesentlich den Oktoberrevolutionären zu verdanken, ohne die wir vielleicht blind geblieben wären oder noch Schlimmeres erfahren hätten, z.B. im tausendjährigen Dritten Reich.

Christian Otto