Zurück zur Startseite
8. Februar 2017

Was gibt es Neues in der Alten Münze?

Von Barock bis Industriearchitektur, von Stadtgeschichte bis zu moderner Kunst – die Alte Münze am Molkenmarkt bietet eine der interessantesten Mischungen im historischen Zentrum.

Eine Berliner Münzprägestätte ist bereits für 1280 bezeugt. Der heutige Standort wurde ab 1936 für die Deutsche Reichsmünze errichtet, wobei  das Schwerinsche Palais von 1704 und eine Kopie von Johann Gottfried Schadows Münzfries integriert wurde. In der DDR prägte hier der VEB Münze Mark- und Pfennigstücke. Später folgten D-Mark und Euro bis die Staatliche Münze Ende 2005 nach Reinickendorf umzog.

Seitdem hat sich die Alte Münze zum gefragten Ort für Kultur und Startups entwickelt. Die „Spreewerkstätten“ erschlossen nach und nach die Räumlichkeiten und gewannen Mieter wie den Technomusiker Ferdinand Dreyssig, die Neonkünstlerin Olivia Steele oder den Hersteller von Fair-Trade-Limonade Lemonaid.

Die im April 2016 beschlossene bauliche Verdichtung wird den Molkenmarkt näher an die Touristenströme des Stadtzentrums heran führen. Damit ist die denkmalgeschützte und sanierungsbedürftige Alte Münze in den Blick der Kulturpolitik gerückt. Der Trompeter Till Brönner plant, etwa die Hälfte der Flächen zu einem „House of Jazz“ zu entwickeln. Dafür bekam er im November Unterstützung vom scheidenden Kulturstaatssekretär Tim Renner sowie vom Haushaltsausschuss des Bundestags, der mit 12,5 Millionen Euro die Hälfte der Sanierungskosten bewilligte.

Doch die Spreewerkstätten hatten bereits im Mai gemeinsam mit dem Musikproduzenten-Netzwerk Riverside Studios und dem Architekturbüro uno Partner ein eigenes Konzept vorgelegt: Unter dem Namen „Haus of Berlin“ wollen sie die Alte Münze zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft weiterentwickeln, das sich durch die Einbindung finanzstärkerer Mieter selbst tragen soll. Der Senat gab hierzu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.

Mittlerweile aber ist das Kulturressort von der SPD zur LINKEN gewechselt. Senator Klaus Lederer begrüßte in einem Tagesspiegel-Interview vom 29. Dezember die Bundeshilfe zur Sanierung, stellte aber klar, dass die Entscheidung über die Nutzung beim Land Berlin liegt: „Eine Konzeptvorgabe akzeptieren wir nicht.“

Markus Wollina