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Engagierte Flüchtlingslotsin in Berlin-Mitte: Diana Henniges

Als ich Diana Henniges vor anderthalb Jahren kennenlernte, war gerade die  neue Notunterkunft für Flüchtlinge in der Alt-Moabit 82 eröffnet worden und die  Bürgerinitiative  "Moabit hilft" angelaufen. "Wir werden die Asylsuchenden aus aller Welt willkommen heißen", sagte mir im November 2013 die heute 38-jährige studierte Historikerin. Ihr Aufruf zur Sachspendenaktion hatte alle Erwartungen übertroffen. In ihrer Wohnung stapelten sich schon nach wenigen Tagen fast 150 Kartons mit Kleidung, Spielsachen, Kosmetika und Lebensmitteln. 

Heute ist Diana Henniges hauptamtliche Flüchtlingslotsin für Berlin-Mitte, zuständig für alle Belange der im Stadtbezirk Zuflucht Suchenden, hilft bei der Unterbringung, steht mit Rat und Tat zur Seite, kooperiert, koordiniert, informiert.  In den Unterkünften Moabits  lädt sie regelmäßig zu Sprechstunden ein.  "Die bisher rund 800 Beteiligten an unserer Initiative kenne ich so gut wie alle persönlich", erklärt die in Hannover geborene Tochter ungarischer Eltern. "Regelmäßig zweimal pro Monat berät unser Runder Tisch  konkrete Maßnahmen." Arbeitsgruppen konzentrieren sich auf die Spendenkoordination, Wohnungsvermittlung, Deutschunterricht, Öffentlichkeitsarbeit und  speziell auf  die Flüchtlinge aus Syrien. Ein Team organisiert über das ganze Jahr Feste, auf denen  die Asylsuchenden mit immer mehr Berliner Anwohnern zum gemeinsamen Grillen und zum Reden zusammentreffen. Gemischte Mannschaften spielen Basketball und Fußball. 

"Ganz wichtig aber ist auch das Gespräch mit den Berlinern dort, wo Flüchtlinge ankommen", meint Diana Henniges. "Sie müssen verstehen, dass die Menschen aus arabischen Staaten, aus Afrika und Asien hier Schutz für Leib und Leben suchen. Ganze Familien fliehen vor den Kriegen, die ihre Häuser, Schulen, ihre Existenz zerstören, aber auch vor Hungersnöten und Religionsverfolgung." Konkrete Hilfe sei einfach menschlich. Wer hat beispielsweise ein altes Fahrrad im Keller, wer stellt während seines Urlaubs Nahverkehrstickets  zur Verfügung? "Moabit hilft" sucht Räumlichkeiten zur Zwischenlagerung von Spenden. Und natürlich jede noch so kleine Geldgabe bereitet Freude ."Wir sind immer erreichbar, ob telefonisch 0151 2800 5150 oder per E-Mail moabit.hilft@gmail.com . Bedarfslisten und Infos auf www.moabit-hilft.com."

Die Auszeichnung mit dem Klara-Franke-Preis für Bürgerengagement und Zivilcourage versteht Diana Henniges als eine Anerkennung für alle in "Moabit hilft" Engagierten. "Wenn jetzt Tausende weitere Flüchtlinge nach Berlin kommen, werden wir noch dringender gebraucht", betont sie. Ihre Sorge ist, dass die Container zum Standard für die Unterbringung werden. Sie ärgert der Populismus von Politikern. Was ihr aber Angst macht, ist das Erstarken des Nationalismus in Europa. "Dem müssen wir hier unseren Beistand für die hilfesuchenden  Familien, Kinder, Jugendlichen und Greise, unsere menschliche Solidarität entgegenstellen. Dazu rufe ich alle auf", kommt der Mutter eines vierjährigen Janosch vom Herzen.

Matthias Herold