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Hundert Jahre deutsche Novemberrevolution

Weinrother, Carl
Liebknecht spricht, Berlin, Tiergarten

Im Bezirk Mitte gibt es viele Orte, die an die Ereignisse vor hundert Jahren erinnern: Philipp Scheidemann (SPD) rief am 9. November 1918 vom Reichstag die „deutsche Republik“ und Karl Liebknecht (Spartakusbund) vom Stadtschloss die „freie sozialistische Republik Deutschland“ aus. Im Marstall, der heutigen Musikschule „Hanns Eisler“, und im „Marinehaus“ in der Nähe des Märkischen Museums hatten sich die revolutionären Matrosen der Volksmarinedivision zum Schutz des neu gebildeten Kabinetts, des „Rates der Volksbeauftragten“, einquartiert. Dass der Chef dieser „sozialistischen Revolutionsregierung“ Friedrich Ebert (SPD) bereits mit der Konterrevolution paktierte, wussten sie nicht.

Was in Kiel mit dem Aufstand der bewaffneten Matrosen der Kriegsmarine am 3. November begonnen hatte, sprang als Funke der Revolution auf alle wichtigen Städte und industriellen Gebiete Deutschlands über. Am 9. November strömten auch die Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins zum Generalstreik auf die Straße. Der Kaiser musste abdanken, der bereits verlorene Krieg beendet und wichtige Forderungen, wie die Einführung des Acht-Stunden-Tages, eines allgemeinen und gleichen Frauenwahlrechts, der Koalitionsfreiheit (Gewerkschaften) und der Mitbestimmung in den Betrieben (Betriebsrätegesetz) eingelöst werden.

Die Novemberrevolution als Geburtsstunde der deutschen Republik steht im Jubiläumsjahr im Fokus vielfältiger geschichtsideologischer Betrachtungen und politischer Aktivitäten. Dabei ist Bewegung in das seit zwei, drei Jahrzehnten verbreitete bundesdeutsche Geschichtsbild geraten, das die Revolution von 1918/19 zu einer durchgängigen Erfolgsgeschichte umgedeutet hat und deren Geburtsfehler systematisch ausblendete. Die früheren linken Erkenntnisse, dass sich 1918/19 nicht einfach von den Zäsuren 1930, 1933, 1938/39 abkoppeln lassen, sind wieder aktuell und die verhängnisvolle Rolle und die Langzeitwirkungen der konterrevolutionären Gewalt in der deutschen Gesellschaft wird stärker thematisiert.(z.B. das Buch von Mark Jones: „Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik“, 2017)

Es sollte nicht vergessen werden: die Revolution im November begann friedlich und unblutig und endete in einer Gewaltorgie der von kaiserlichen Offizieren befehligten konterrevolutionären Regierungstruppen und Freikorps, der nicht nur Luxemburg und Liebknecht sondern mehr als tausend Menschen aus der Berliner Arbeiterbevölkerung zum Opfer fielen.

Es ist ja keineswegs ungewöhnlich, historische Ereignisse unter dem Eindruck aktueller Entwicklungen neu zu befragen, und so lässt die Weltwirtschaftskrise von 2008/09 mit ihren antidemokratischen Verwerfungen im politischen Gefüge europäischer Staaten die Alternativlosigkeit kapitalistischer Strukturen wieder in Frage stellen. Im hundertsten Jahr der Novemberrevolution nicht nur an deren Errungenschaften zu erinnern, sondern auch an die Forderungen, die unerfüllt blieben, ist dringend notwendig.
Am 8. November 2018 ruft der „Koordinationskreis 100 Jahre Novemberrevolution – die unvollendete Revolution“ zur Kundgebung um 17.00 Uhr vors Brandenburger Tor. Aus dem Aufruf: „Es sollte ein für alle Mal Schluss gemacht werden mit Ausbeutung und Krieg. Das große Kapital, die treibende Kraft hinter dem Krieg, sollte sozialisiert werden…“

Dr. Elke Reuter


Termine


Hundert Jahre deutsche Novemberrevolution

Weinrother, Carl
Liebknecht spricht, Berlin, Tiergarten

Im Bezirk Mitte gibt es viele Orte, die an die Ereignisse vor hundert Jahren erinnern: Philipp Scheidemann (SPD) rief am 9. November 1918 vom Reichstag die „deutsche Republik“ und Karl Liebknecht (Spartakusbund) vom Stadtschloss die „freie sozialistische Republik Deutschland“ aus. Im Marstall, der heutigen Musikschule „Hanns Eisler“, und im „Marinehaus“ in der Nähe des Märkischen Museums hatten sich die revolutionären Matrosen der Volksmarinedivision zum Schutz des neu gebildeten Kabinetts, des „Rates der Volksbeauftragten“, einquartiert. Dass der Chef dieser „sozialistischen Revolutionsregierung“ Friedrich Ebert (SPD) bereits mit der Konterrevolution paktierte, wussten sie nicht.

Was in Kiel mit dem Aufstand der bewaffneten Matrosen der Kriegsmarine am 3. November begonnen hatte, sprang als Funke der Revolution auf alle wichtigen Städte und industriellen Gebiete Deutschlands über. Am 9. November strömten auch die Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins zum Generalstreik auf die Straße. Der Kaiser musste abdanken, der bereits verlorene Krieg beendet und wichtige Forderungen, wie die Einführung des Acht-Stunden-Tages, eines allgemeinen und gleichen Frauenwahlrechts, der Koalitionsfreiheit (Gewerkschaften) und der Mitbestimmung in den Betrieben (Betriebsrätegesetz) eingelöst werden.

Die Novemberrevolution als Geburtsstunde der deutschen Republik steht im Jubiläumsjahr im Fokus vielfältiger geschichtsideologischer Betrachtungen und politischer Aktivitäten. Dabei ist Bewegung in das seit zwei, drei Jahrzehnten verbreitete bundesdeutsche Geschichtsbild geraten, das die Revolution von 1918/19 zu einer durchgängigen Erfolgsgeschichte umgedeutet hat und deren Geburtsfehler systematisch ausblendete. Die früheren linken Erkenntnisse, dass sich 1918/19 nicht einfach von den Zäsuren 1930, 1933, 1938/39 abkoppeln lassen, sind wieder aktuell und die verhängnisvolle Rolle und die Langzeitwirkungen der konterrevolutionären Gewalt in der deutschen Gesellschaft wird stärker thematisiert.(z.B. das Buch von Mark Jones: „Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik“, 2017)

Es sollte nicht vergessen werden: die Revolution im November begann friedlich und unblutig und endete in einer Gewaltorgie der von kaiserlichen Offizieren befehligten konterrevolutionären Regierungstruppen und Freikorps, der nicht nur Luxemburg und Liebknecht sondern mehr als tausend Menschen aus der Berliner Arbeiterbevölkerung zum Opfer fielen.

Es ist ja keineswegs ungewöhnlich, historische Ereignisse unter dem Eindruck aktueller Entwicklungen neu zu befragen, und so lässt die Weltwirtschaftskrise von 2008/09 mit ihren antidemokratischen Verwerfungen im politischen Gefüge europäischer Staaten die Alternativlosigkeit kapitalistischer Strukturen wieder in Frage stellen. Im hundertsten Jahr der Novemberrevolution nicht nur an deren Errungenschaften zu erinnern, sondern auch an die Forderungen, die unerfüllt blieben, ist dringend notwendig.
Am 8. November 2018 ruft der „Koordinationskreis 100 Jahre Novemberrevolution – die unvollendete Revolution“ zur Kundgebung um 17.00 Uhr vors Brandenburger Tor. Aus dem Aufruf: „Es sollte ein für alle Mal Schluss gemacht werden mit Ausbeutung und Krieg. Das große Kapital, die treibende Kraft hinter dem Krieg, sollte sozialisiert werden…“

Dr. Elke Reuter

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Liebknecht spricht, Berlin, Tiergarten

Im Bezirk Mitte gibt es viele Orte, die an die Ereignisse vor hundert Jahren erinnern: Philipp Scheidemann (SPD) rief am 9. November 1918 vom Reichstag die „deutsche Republik“ und Karl Liebknecht (Spartakusbund) vom Stadtschloss die „freie sozialistische Republik Deutschland“ aus. Im Marstall, der heutigen Musikschule „Hanns Eisler“, und im „Marinehaus“ in der Nähe des Märkischen Museums hatten sich die revolutionären Matrosen der Volksmarinedivision zum Schutz des neu gebildeten Kabinetts, des „Rates der Volksbeauftragten“, einquartiert. Dass der Chef dieser „sozialistischen Revolutionsregierung“ Friedrich Ebert (SPD) bereits mit der Konterrevolution paktierte, wussten sie nicht.

Was in Kiel mit dem Aufstand der bewaffneten Matrosen der Kriegsmarine am 3. November begonnen hatte, sprang als Funke der Revolution auf alle wichtigen Städte und industriellen Gebiete Deutschlands über. Am 9. November strömten auch die Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins zum Generalstreik auf die Straße. Der Kaiser musste abdanken, der bereits verlorene Krieg beendet und wichtige Forderungen, wie die Einführung des Acht-Stunden-Tages, eines allgemeinen und gleichen Frauenwahlrechts, der Koalitionsfreiheit (Gewerkschaften) und der Mitbestimmung in den Betrieben (Betriebsrätegesetz) eingelöst werden.

Die Novemberrevolution als Geburtsstunde der deutschen Republik steht im Jubiläumsjahr im Fokus vielfältiger geschichtsideologischer Betrachtungen und politischer Aktivitäten. Dabei ist Bewegung in das seit zwei, drei Jahrzehnten verbreitete bundesdeutsche Geschichtsbild geraten, das die Revolution von 1918/19 zu einer durchgängigen Erfolgsgeschichte umgedeutet hat und deren Geburtsfehler systematisch ausblendete. Die früheren linken Erkenntnisse, dass sich 1918/19 nicht einfach von den Zäsuren 1930, 1933, 1938/39 abkoppeln lassen, sind wieder aktuell und die verhängnisvolle Rolle und die Langzeitwirkungen der konterrevolutionären Gewalt in der deutschen Gesellschaft wird stärker thematisiert.(z.B. das Buch von Mark Jones: „Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik“, 2017)

Es sollte nicht vergessen werden: die Revolution im November begann friedlich und unblutig und endete in einer Gewaltorgie der von kaiserlichen Offizieren befehligten konterrevolutionären Regierungstruppen und Freikorps, der nicht nur Luxemburg und Liebknecht sondern mehr als tausend Menschen aus der Berliner Arbeiterbevölkerung zum Opfer fielen.

Es ist ja keineswegs ungewöhnlich, historische Ereignisse unter dem Eindruck aktueller Entwicklungen neu zu befragen, und so lässt die Weltwirtschaftskrise von 2008/09 mit ihren antidemokratischen Verwerfungen im politischen Gefüge europäischer Staaten die Alternativlosigkeit kapitalistischer Strukturen wieder in Frage stellen. Im hundertsten Jahr der Novemberrevolution nicht nur an deren Errungenschaften zu erinnern, sondern auch an die Forderungen, die unerfüllt blieben, ist dringend notwendig.
Am 8. November 2018 ruft der „Koordinationskreis 100 Jahre Novemberrevolution – die unvollendete Revolution“ zur Kundgebung um 17.00 Uhr vors Brandenburger Tor. Aus dem Aufruf: „Es sollte ein für alle Mal Schluss gemacht werden mit Ausbeutung und Krieg. Das große Kapital, die treibende Kraft hinter dem Krieg, sollte sozialisiert werden…“

Dr. Elke Reuter