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ORLANDO EL MONDRY
Paradoxie am Hackeschen Markt: Neubau ersetzt Neubau

Kein Platz für Senioren in Mitte?

Mit einem Durchschnittsalter von 38,9 Jahren ist Mitte der zweitjüngste Bezirk Berlins. Das öffentliche Bild Mittes wird von schicken Hipstern, internationalen Partytouristen und dynamischen Startups bestimmt. Wo ist da Platz für die älteren Einwohner?

In Alt-Mitte wird die Luft bereits dünn. Die Seniorendomizile in der Invalidenstraße 120-121 und der Magazinstraße 6-7 sollen 2019 in Büros umgewandelt werden. Die Unternehmensgruppe Hecht begründet die Entscheidung mit der mangelnden Belegung der Heime: Von den zusammen rund 350 Plätzen seien nur etwa 200 besetzt. Den Bewohnern wird der Umzug in eines der anderen Heime der Gruppe in anderen Bezirken angeboten.

Sind „Standorte in verkehrsreicher zentraler Lage“ wirklich „für Pflegeheime ungeeignet geworden“, wie Geschäftsführer Berthold Hecht gegenüber der Berliner Morgenpost angibt? Werfen wir zur Beantwortung drei Blicke. Den ersten Blick auf die betroffenen Gebäude – repräsentative Objekte in bester Lage, vor rund 100 Jahren als „Hotel Baltic“ bzw. als Geschäftshaus der Union Baugesellschaft erbaut. Schauen wir als nächstes auf die Lage in der Pflege: Da die Pflegekassen keine Mieten übernehmen, fallen steigende Kosten in Heimen auf die Bewohner und deren Angehörige, so dass es zunehmend schwerer wird, in der Innenstadt einen Platz zu finden. Werfen wir einen dritten Blick auf den Berliner Markt für Gewerbeflächen: Angesichts einer Leerstandsquote von unter 3 Prozent und einem Rekordwert von fast 1 Million qm vermieteter Fläche lassen sich mit Büros bessere Gewinne erzielen als mit Pflegewohnungen.

Aus diesem Grund muss auch die Seniorenresidenz in der Rosenthaler Straße 43-45 weichen. Das gerade 20 Jahre alte Haus soll durch einen Neubau mit Büro-, Einzelhandels- und Wohnnutzung ersetzt werden. Bis Ende Juni müssen die ca. 200 Bewohner ausziehen, sofern gewünscht, in eines der Heime des Betreibers Pro Seniore in anderen Bezirken. Für die 29 von ihnen, die aktuell nicht im Pflegebereich, sondern im betreuten Wohnen untergebracht sind, sollen auch im Neubau des Hamburger Investors DC Values Kapazitäten geschaffen werden.

Angesichts dessen drängen sich Fragen auf: Warum wird Menschen in hohem Alter der physische und seelische Stress eines Umzugs zugemutet, um ihre Wohnungen in Büros umzuwidmen? Und warum wird ein bewohntes Haus ohne bauliche Mängel im zarten Alter von 20 Jahren abgerissen, um an seiner Stelle einen Neubau zu errichten? Die Antwort liegt im kapitalistischen Immobilienmarkt, der Grund und Boden als Ware behandelt. Nicht das Grundbedürfnis nach sicherem Wohnraum, gerade im Alter, sondern das Verwertungsbedürfnis des Kapitals durch die Nutzung von Wohnraum als „Betongold“ wird durch diesen Markt bedient. Deshalb setzt sich DIE LINKE für die Zurückdrängung des kapitalistischen Marktes und die Stärkung des Öffentlichen ein – um eine Gesellschaft zu schaffen, die nicht von den Interessen des Kapitals bestimmt wird, sondern von den Interessen der Menschen.

 

Markus Wollina


Termine

ORLANDO EL MONDRY
Paradoxie am Hackeschen Markt: Neubau ersetzt Neubau

Kein Platz für Senioren in Mitte?

Mit einem Durchschnittsalter von 38,9 Jahren ist Mitte der zweitjüngste Bezirk Berlins. Das öffentliche Bild Mittes wird von schicken Hipstern, internationalen Partytouristen und dynamischen Startups bestimmt. Wo ist da Platz für die älteren Einwohner?

In Alt-Mitte wird die Luft bereits dünn. Die Seniorendomizile in der Invalidenstraße 120-121 und der Magazinstraße 6-7 sollen 2019 in Büros umgewandelt werden. Die Unternehmensgruppe Hecht begründet die Entscheidung mit der mangelnden Belegung der Heime: Von den zusammen rund 350 Plätzen seien nur etwa 200 besetzt. Den Bewohnern wird der Umzug in eines der anderen Heime der Gruppe in anderen Bezirken angeboten.

Sind „Standorte in verkehrsreicher zentraler Lage“ wirklich „für Pflegeheime ungeeignet geworden“, wie Geschäftsführer Berthold Hecht gegenüber der Berliner Morgenpost angibt? Werfen wir zur Beantwortung drei Blicke. Den ersten Blick auf die betroffenen Gebäude – repräsentative Objekte in bester Lage, vor rund 100 Jahren als „Hotel Baltic“ bzw. als Geschäftshaus der Union Baugesellschaft erbaut. Schauen wir als nächstes auf die Lage in der Pflege: Da die Pflegekassen keine Mieten übernehmen, fallen steigende Kosten in Heimen auf die Bewohner und deren Angehörige, so dass es zunehmend schwerer wird, in der Innenstadt einen Platz zu finden. Werfen wir einen dritten Blick auf den Berliner Markt für Gewerbeflächen: Angesichts einer Leerstandsquote von unter 3 Prozent und einem Rekordwert von fast 1 Million qm vermieteter Fläche lassen sich mit Büros bessere Gewinne erzielen als mit Pflegewohnungen.

Aus diesem Grund muss auch die Seniorenresidenz in der Rosenthaler Straße 43-45 weichen. Das gerade 20 Jahre alte Haus soll durch einen Neubau mit Büro-, Einzelhandels- und Wohnnutzung ersetzt werden. Bis Ende Juni müssen die ca. 200 Bewohner ausziehen, sofern gewünscht, in eines der Heime des Betreibers Pro Seniore in anderen Bezirken. Für die 29 von ihnen, die aktuell nicht im Pflegebereich, sondern im betreuten Wohnen untergebracht sind, sollen auch im Neubau des Hamburger Investors DC Values Kapazitäten geschaffen werden.

Angesichts dessen drängen sich Fragen auf: Warum wird Menschen in hohem Alter der physische und seelische Stress eines Umzugs zugemutet, um ihre Wohnungen in Büros umzuwidmen? Und warum wird ein bewohntes Haus ohne bauliche Mängel im zarten Alter von 20 Jahren abgerissen, um an seiner Stelle einen Neubau zu errichten? Die Antwort liegt im kapitalistischen Immobilienmarkt, der Grund und Boden als Ware behandelt. Nicht das Grundbedürfnis nach sicherem Wohnraum, gerade im Alter, sondern das Verwertungsbedürfnis des Kapitals durch die Nutzung von Wohnraum als „Betongold“ wird durch diesen Markt bedient. Deshalb setzt sich DIE LINKE für die Zurückdrängung des kapitalistischen Marktes und die Stärkung des Öffentlichen ein – um eine Gesellschaft zu schaffen, die nicht von den Interessen des Kapitals bestimmt wird, sondern von den Interessen der Menschen.

 

Markus Wollina

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Kein Platz für Senioren in Mitte?

Mit einem Durchschnittsalter von 38,9 Jahren ist Mitte der zweitjüngste Bezirk Berlins. Das öffentliche Bild Mittes wird von schicken Hipstern, internationalen Partytouristen und dynamischen Startups bestimmt. Wo ist da Platz für die älteren Einwohner?

In Alt-Mitte wird die Luft bereits dünn. Die Seniorendomizile in der Invalidenstraße 120-121 und der Magazinstraße 6-7 sollen 2019 in Büros umgewandelt werden. Die Unternehmensgruppe Hecht begründet die Entscheidung mit der mangelnden Belegung der Heime: Von den zusammen rund 350 Plätzen seien nur etwa 200 besetzt. Den Bewohnern wird der Umzug in eines der anderen Heime der Gruppe in anderen Bezirken angeboten.

Sind „Standorte in verkehrsreicher zentraler Lage“ wirklich „für Pflegeheime ungeeignet geworden“, wie Geschäftsführer Berthold Hecht gegenüber der Berliner Morgenpost angibt? Werfen wir zur Beantwortung drei Blicke. Den ersten Blick auf die betroffenen Gebäude – repräsentative Objekte in bester Lage, vor rund 100 Jahren als „Hotel Baltic“ bzw. als Geschäftshaus der Union Baugesellschaft erbaut. Schauen wir als nächstes auf die Lage in der Pflege: Da die Pflegekassen keine Mieten übernehmen, fallen steigende Kosten in Heimen auf die Bewohner und deren Angehörige, so dass es zunehmend schwerer wird, in der Innenstadt einen Platz zu finden. Werfen wir einen dritten Blick auf den Berliner Markt für Gewerbeflächen: Angesichts einer Leerstandsquote von unter 3 Prozent und einem Rekordwert von fast 1 Million qm vermieteter Fläche lassen sich mit Büros bessere Gewinne erzielen als mit Pflegewohnungen.

Aus diesem Grund muss auch die Seniorenresidenz in der Rosenthaler Straße 43-45 weichen. Das gerade 20 Jahre alte Haus soll durch einen Neubau mit Büro-, Einzelhandels- und Wohnnutzung ersetzt werden. Bis Ende Juni müssen die ca. 200 Bewohner ausziehen, sofern gewünscht, in eines der Heime des Betreibers Pro Seniore in anderen Bezirken. Für die 29 von ihnen, die aktuell nicht im Pflegebereich, sondern im betreuten Wohnen untergebracht sind, sollen auch im Neubau des Hamburger Investors DC Values Kapazitäten geschaffen werden.

Angesichts dessen drängen sich Fragen auf: Warum wird Menschen in hohem Alter der physische und seelische Stress eines Umzugs zugemutet, um ihre Wohnungen in Büros umzuwidmen? Und warum wird ein bewohntes Haus ohne bauliche Mängel im zarten Alter von 20 Jahren abgerissen, um an seiner Stelle einen Neubau zu errichten? Die Antwort liegt im kapitalistischen Immobilienmarkt, der Grund und Boden als Ware behandelt. Nicht das Grundbedürfnis nach sicherem Wohnraum, gerade im Alter, sondern das Verwertungsbedürfnis des Kapitals durch die Nutzung von Wohnraum als „Betongold“ wird durch diesen Markt bedient. Deshalb setzt sich DIE LINKE für die Zurückdrängung des kapitalistischen Marktes und die Stärkung des Öffentlichen ein – um eine Gesellschaft zu schaffen, die nicht von den Interessen des Kapitals bestimmt wird, sondern von den Interessen der Menschen.

 

Markus Wollina