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Ramona Reiser, 50-60 Stunden die Woche für euch unterwegs im Bezirk

Ramona Reiser – neue Stadträtin der Linken

Ramona Reiser, 33, ist die neue Stadträtin für Jugend, Familie und Bürgerdienste im Bezirk Mitte. Sie wurde auf Vorschlag der Linksfraktion gewählt.

 

Wie viele Stunden arbeitest du jetzt pro Woche?

R.R.: Auf dem Papier stehen 40 Wochenstunden. Das funktionierte nur in meiner ersten Woche. In der Realität sind es locker 50-60 Wochenstunden. Aber ich war vorgewarnt und wusste, worauf ich mich einlasse. Dabei ist jeder Tag anders. An manchen Tagen habe ich tatsächlich nur 8 Stunden, an anderen Tagen sind es wiederum 11 oder 12 Stunden.

 

Wie sieht jetzt dein Alltag aus?

R.R: Es gibt viele unterschiedliche Termine im Bezirksamt. Das umfasst Bürorunden, in denen der Terminablauf der Woche besprochen und Aufgaben delegiert werden, Besprechungen mit den Amtsleitungen, aber auch Gremiensitzungen wie die Bezirksamtssitzung und Ausschusssitzungen. Dazu kommen noch Außentermine wie der Tag der offenen Tür in der Jugendberufsagentur oder im Moment auch Neujahrsempfänge.

 

Was ist das Merkwürdigste, was dir bisher als Stadträtin passiert ist?

R.R.: Dass mich im Alltag – im Supermarkt oder beim Friseur - fremde Menschen ansprechen. Auch die Umstellung in den Ausschüssen, in denen ich bisher als Bezirksverordnete war. Im Jugendhilfeausschuss wollte ich mich zuerst auf meinen alten Platz setzen, bis ich dann realisiert habe, dass ich ja nach vorne muss.

 

Hast du Vorbilder, an denen du dich orientierst?

R.R.: Nein,aber es gibt einen wichtigen Punkt, der mich antreibt. Ich habe viele junge Menschen und Frauen innerhalb der Linken kennengelernt, die fachlich und menschlich top sind, viel für Partei und Politik tun und mich stark beeindruckt haben, die aber keine große Namen oder Positionen haben, die teilweise trotz aller Kompetenz und Engagement an Grenzen gescheitert sind, seien sie struktureller, finanzieller oder persönlicher Natur. Beruf, Familie und Partei sind immer schwierig miteinander zu vereinbaren. Das hat mich aber bestärkt, weiter zu machen, um zu zeigen, dass es wichtig ist, nicht aufzugeben, sich gegenseitig Mut zu machen und zusammenzuhalten. Ich will zeigen, dass es geht, und auch so große Ämter wie das der Stadträtin wieder in einen Bereich ziehen, der möglich ist.

 

Wie fühlt man sich als jüngstes Mitglied im Bezirksamt?

R.R.: Man fühlt sich immer wie die Ausnahme an – besonders auch bei bezirksübergreifenden Gremien. Man merkt, dass man unterschätzt wird.

 

Was macht dir als Bezirksstadträtin bisher am meisten Freude?

R.R.: Die Abwechslung. Ich habe viele unterschiedliche Termine und bin viel unterwegs. Das macht es sehr spannend. Man hat nicht nur ein Thema, mit dem man sich die ganze Zeit am Schreibtisch beschäftigt, sondern sehr viel Facettenreichtum. Es ist nie langweilig.

 

Welche Aufgaben sind die Dringendsten, die erledigt werden müssen?

R.R.: Wir brauchen sowohl für die Bürgerdienste als auch das Jugendamt schlicht mehr Personal. Zudem haben wir Raumknappheit.

Die BVV muss im Haushalt die entsprechenden Akzente setzen. Das Geld ist nicht mehr so knapp wie in den vorherigen Jahren, aber die Aufgaben sind aufgrund des Phänomens „wachsende Stadt“ rasant angewachsen. Als ehemalige Verordnete kann ich mich noch in die Perspektive der Verordneten versetzen und hoffe, dass mir die BVV im neuen Haushalt die Spielräume gibt, um praktische Verbesserungen zu erreichen.

Auch außerhalb der Büros herrscht Raumknappheit für Jugendangebote. Wir brauchen unkonventionelle Lösungen für die Nutzung von öffentlichem Raum und müssen multiple Nutzungen möglich machen, ohne dabei verschiedene Nutzergruppen gegeneinander ausspielen.

Dann steht noch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes an und die Einrichtung der Teilhabeämter, wo Menschen mit Behinderungen eine neue Anlaufstelle haben. Die Eingliederungshilfe von Kindern und Jugendlichen soll hierbei im Geschäftsbereich Jugend bleiben und es gilt, verlässliche Standards zum Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich festzuhalten.

 

Welche Ziele hast du dir bis zum Ende der Legislaturperiode vorgenommen?

R.R.: Da gibt es fünf große Themenfelder, die mich interessieren:

  1. Kinderarmut. Ich hoffe, an die Arbeit meiner Vorgängerin in der Landeskommission gegen Kinderarmut anknüpfen zu können.
  2. Projekte gegen Rassismus und Diskriminierung.
  3. Sport und Bewegungsförderung – wie können entsprechende Angebote der Jugendarbeit unterstützt werden, wie können wir bspw. Spielplätze qualifizieren, sodass sie zur Bewegung einladen. Bewegungsförderung ist ein wichtiges Feld, weil auch in Mitte viele Kinder motorische Probleme haben.
  4. Gleichzeitig müssen ressortübergreifend Personal- und Raumprobleme gelöst werden.
  5. Modernisierung der Bezirksverwaltung einerseits im Hinblick auf eine stabile und effiziente IT-Infrastruktur, sowie andererseits im Hinblick auf die vielfältiger gewordene Anwohnerschaft des Bezirks, der wir gerecht werden wollen und müssen.

 

Das Interview führte Andreas Böttger