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Akute Wohnungskrise: Ein-Prozent-Chance für Singles innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings!

Mietenwatch wertete 80.000 Wohnungsinserate in Berlin aus

„In Berlin haben Spekulation, Privatisierung und eine gestiegene Nachfrage nach Wohnraum mittlerweile zu einer Wohnungskrise geführt“,   stellte kürzlich das vom Bildungs-und Forschungsministerium geförderte Projekt Mietenwatch in einem Zeitraum von 18 Monaten fest.

Danach können sich Single-Haushalte mit einem Netto-Haushaltseinkommen von durchschnittlich 1.375,- Euro berlinweit nur 4,4 Prozent der Wohnungsangebote leisten;   innerhalb des S-Bahn-Rings  nur ein Prozent der Wohnungsangebote!   Immer mehr Menschen, gerade auch in mittleren Verdienstspannen, haben enorme Schwierigkeiten, leistbaren Wohnraum zu finden. Als „leistbar“ gilt eine Wohnung dabei, wenn die Miete inklusive aller Betriebs- und Nebenkosten 30 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens nicht übersteigt.

Für Haushalte mit fünf und mehr Personen und einem Durchschnittseinkommen von 3000 Euro ist die Lage Mietenwatch zufolge besonders angespannt: Unter den 859 in Frage kommenden Angeboten innerhalb des S-Bahn-Rings sei in den untersuchten 18 Monaten kein einziges „leistbares” Angebot dabei gewesen.

Die Zahlen zeigen nur allzu deutlich, dass Gentrifizierung längst zur Regel geworden ist. Wer nicht zahlen kann, hat kaum noch eine Chance auf eine Wohnung im Berliner Zentrum.

Bauen, bauen, bauen!, verkünden Immobilienlobby und Teile der Politik. Aber gerade die steigenden Mieten im Bestand, die Verdrängung durch Modernisierungsankündigungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen sind nicht allein durch den Wohnungsmangel zu erklären;   leistbare Mieten auch für Haushalte mit weniger Geld werden nicht durch die „unsichtbare Hand des Marktes“ entstehen und müssen durch Mieterschutz (wie den Mietendeckel) und durch die Ausweitung des gemeinwirtschaftlichen Wohnungsbestands aktiv geschaffen werden.

Der Stadtsoziologe Andrej Holm stellte kürzlich fest:  Für die Hälfte aller Berliner Haushalte sind schon die vergleichsweise günstigen Bestandsmieten zu teuer.  Die Verdrängung wird zur notwendigen Voraussetzung für die Realisierung wirtschaftlicher Höchstrenditen: Verdrängung als Geschäftsmodell. 

Rainer Scholz