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Anne Schellmann: Damals wie heute bürgernah sein

Anne Schellmann ist eine Berlinerin mittendrin, wurde in der Charite' geboren, wuchs in der Linienstraße und der Karl-Marx-Allee auf und lebt und arbeitet auch heute hier. Wenn jemand von sich sagen kann, ein Leben lang gern für Menschen da zu sein, mit ihnen zu reden, für sie sich einzusetzen und zu arbeiten, sie zu mobilisieren, dann ist sie es. Schon mit dem Abitur erwarb sie den Facharbeiterbrief als Krippenerzieherin.  An der Heinrich-Heine-Oberschule arbeitete sie als Pionierleiterin und Lehrerin. Anfang der 70er-Jahre war sie Vorsitzende der Pionierorganisation von Berlin-Mitte, dann 2. Sekretärin der FDJ-Kreisleitung in der Poststraße und schließlich bis 1987 Vorsitzende der Jugendkommission der SED-Kreisleitung in der Oberwasserstraße. 

"Unvergessliche Ereignisse konnte ich mitgestalten, das freundschaftliche Miteinander der Menschen erleben", erinnert sich die heute 72-jährige. "Ich organisierte mit Treffen und Gespräche von jungen Leuten vieler Länder zu den Weltfestspielen 1973 in Berlin. Beeindruckende Höhepunkte waren auch die Pioniertreffen in Karl-Marx-Stadt und Dresden, wo ich die Teilnehmer von Berlin-Mitte leitete."

Heute, 30 Jahre nach dem "Mauerfall", die von den Massenmedien so bejubelt und gefeiert werden, zieht Anne Schellmann eine nüchterne Bilanz: "Wie jetzt eine deutschlandweite Meinungsumfrage zeigt, beherrschen Ellenbogen und Egoismus unsere Gesellschaft." Wie viele andere hat sie das damals schon vorausgesehen, als sie die SED-Kreisleitung mit auflösen musste. "Wie wird es jetzt weitergehen?, fragten wir uns 1990". Mit der Gründung der PDS zog sie mit in die neue Geschäftsstelle im Karl-Liebknecht-Haus ein, war dort seitdem Mitarbeiterin für die 1000 kleinen Dinge, aber vor allem für die Finanzen zuständig.

"Am 16. Juni 2007 war ich mit im Hotel 'Estrel' als Delegierte beim Zusammenschluss von PDS und WASG zur Partei DIE LINKE". Damals wie heute standen und stehen nach ihrer Meinung die selben Schwerpunkte der Partei: zu den Bürgern gehen, ihre Probleme kennen, sie mitnehmen, gemeinsam die Probleme lösen. "In den drei Jahrzehnten hat sich natürlich die Struktur, die Mitgliederschaft der DIE LINKE stark verändert. Hunderte Genossen mit reicher Lebenserfahrung sind alt geworden oder verstorben. Hunderte junge ohne Erfahrungen, ohne ausreichende Geschichtskenntnisse sind zu uns gekommen." Als nützlich nennt sie das erste Treffen "Alt und Jung" Anfang des Jahres, wo es lebhafte Diskussionen gab. "So etwas müssen wir fortsetzen wie auch die Haustürgespräche in den Wohngebieten, die Kontakte in den eigenen Wohnhäusern und eine wirksamere Öffentlichkeitsarbeit. Damit wir wieder stärker und einflussreicher werden können!"

Seit 2010 ist Anne Rentnerin, kommt aber weiter jede Woche für acht Stunden in die Geschäftsstelle ihrer Partei.  "Noch recht lange möchte ich in der und für DIE LINKE arbeiten und wirken", unterstreicht sie, "damit sich mein Lebensweg abrunden kann."    

Matthias Herold