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Barbara Herzig-Martens: Mit 64 noch einmal richtig durchgestartet

Das Leben in ihrer armen  Arbeiterfamilie, aber auch die Geschichten über die Umsiedlung ihrer Mutter aus dem heute polnischen Niederschlesien und die Rückkehr ihres Vaters aus französischer Kriegsgefangenschaft 1950 stärkten schon in ihrer Kindheit den Willen von  Barbara Herzig-Martens, sozial zu handeln, den Armen, den  Schwachen, aber auch den Geflüchteten  zu helfen. Heute - mit 66 Jahren - setzt sie sich vehement vor allem gegen die wachsende Kinderarmut ein. "In Berlin ist fast jedes dritte Kind betroffen", betont sie. "In Mitte gibt es Stadtteile wie zum Beispiel Gesundbrunnen mit bis zu 67 Prozent Kindern in Hartz IV-Familien.  Da muss endlich und nachhaltig etwas passieren." 

 

Die Staatlich anerkannte Sozialarbeiterin fordert das nicht nur, sie arbeitet auch konkret dafür. Auf einer gut besuchten Veranstaltung im Weddinger Linkstreff nannte sie alarmierende Zahlen aus dem jüngsten Bericht des Sozialverbandes Deutschland. In Briefen an den Parteivorsitzenden Bernd Riexinger und an den Berliner Landesvorstand der DIE LINKE unterbreitete sie nachvollziehbare Vorschläge: die Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft Kinderarmut sowie einer sozialistischen Kinderorganisation nach dem Vorbild von "Solid". Soziale Fragen müssten noch mehr in den Fokus gestellt werden, "und mehr Internationalismus, mehr Solidarität mit den Menschen in von Kriegen und Krisen betroffenen Ländern".  Bei Besuchen in Argentinien und Chile erkundete sie vor drei Monaten die Situation dort, vor allem die der Frauen und Kinder.

 

Barbara Herzig-Martens war 1953 in Herdecke an der Ruhr zur Welt gekommen, machte in Hagen ihr Fachabitur. 19-jährig ging sie nach Berlin, besuchte eine Erzieherschule und studierte dann vier Jahre an der Alice Salomon-Hochschule Sozialarbeit. Ab 1979 arbeitete sie 36 Jahre lang im Gesundheitsamt und beim Jugendamt Neukölln, war zusammen mit dem namhaften Psychologen und Soziologen Kazim Erdogan Initiatorin von 'Aufbruch Neukölln' zur Lösung sozialer, schulischer und familiärer Probleme. "Meine Multiple Sklerose-Erkrankung zwang mich 2004 zur Halbtagsarbeit und vor drei Jahren zur frühzeitigen Berentung. Nun erst recht, mit 64, wollte ich aber noch einmal in meinem Leben richtig durchstarten."   

 

2017 wurde sie Mitglied der DIE LINKE. "Bis dahin habe ich über 20 Jahre verschlafen, ohne politisch aktiv zu sein", empfindet sie heute. "In meiner frühen Jugend war ich im sozialistischen Jugendverband 'Die Falken' und danach Trotzkistin". Jetzt wirkt die temperamentvolle Blondine als Bürgerdeputierte im Ausschuss Gesundheit und Soziales der Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und in Mittes Behindertenbeirat. "Ich rede und diskutiere gerne mit Menschen", gesteht sie. "Da waren die Haustürwahlkämpfe 2017 in Wedding mit unserem linken Spitzenkandidat Steve Rauhut, vor Wochen in Weimar und Erfurt für Bodo Ramelow sowie in Hamburg vor den Bürgerschaftswahlen das Richtige für mich". In ihrer Freizeit trainiert Barbara Herzig-Martens Bogenschießen. In ihrer politischen und sozialen Arbeit will sie genau solche Erfolgsziele treffen.     

Matthias Herold