Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Die „Billige Prachtstraße“ kostet jetzt 17 Euro/qm netto kalt

ORLANDO EL MONDRY

Auf dem ehemaligen Bahngelände im Mittelbereich der Lehrter Straße in Moabit werden etwa 1050 Wohneinheiten neu gebaut. Der erste Bauabschnitt wird bereits bezogen: verkauft als Eigentumswohnungen neben der Straße, vermietet neben der Bahnstrecke. Die Groth-Gruppe hat das Gelände vor etwa einem Jahr an einen Schweizer Investor verkauft, der für nicht weniger als 17 Euro/qm netto kalt vermietet!

Das stellte der „Verein für eine Billige Prachtstraße – Lehrter Straße e.V.“ als Träger des „B-Ladens“ fest, ein Ort, von dem aus die Nachbarschaft ihr öffentliches Leben organisieren kann. Hier finden zum Beispiel die monatlichen Betroffenenrats-Sitzungen statt, bei denen die neuen Bauplanungen besprochen werden. Der Laden steht verschiedenen Gruppen, die sich um die Verbesserung des Wohnumfeldes kümmern, zur Verfügung.

MITTENDRIN interviewte zu den Bauplanungen Susanne Torka (S.T.) und Jürgen Schwenzel (J.S.), die seit vielen Jahren den B-Laden betreuen und den Kiez kennen wie keine anderen.

Frau Torka, sind wenigstens ausreichend Anteile an Sozialwohnungen dabei?

S.T.: Nein, der städtebauliche Vertrag wurde schon vor der Einführung des kooperativen Baulandmodells erarbeitet, 40 Sozialwohnungen in einem Haus hat die Degewo von Groth gekauft, sie sind zum großen Teil bereits bezogen und 118 Wohnungen baut sie selbst nach den fertigen Plänen. Der Betroffenenrat hat im Verfahren die fehlenden Ausgleichsflächen im Baugebiet kritisiert. Statt Spielflächen im Gebiet anzubieten, soll der Spielplatz im „Zellengefängnispark“ aufgewertet werden.  74 Kitaplätze müssen für die neuen Einwohner bereitgestellt werden, davon liegen nur 24 im Gebiet. Für 50 Plätze erhält der Bezirk Geld, umliegende Kitas sollen erweitert werden. Das bedeutet mehr Baumasse, mehr Rendite.

Der B-Laden kümmert sich auch um weitere Bauplanungen im Umkreis des Nachbarschaftsladens, z. B. um den „Experimentellen Geschosswohnungsbau in Berlin“ im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) in der Rathenower Straße 16 für Mieter mit Förderbedarf?

J.S.:  Ja. Aber trotz schriftlicher Anfragen im Berliner Abgeordnetenhaus und der BVV ging es bis jetzt einfach nicht weiter. Doch hieß es bei der Betroffenenratssitzung am 5. Juni 2018, dass die Art der Zusammenarbeit zwischen Wohnungsbaugesellschaft Mitte und der Gesellschaft für StadtEntwicklung jetzt klar sei und der B-Plan auf den Weg gebracht werde.

Und wie sieht es mit der Nachnutzung landeseigener Gebäude an der Invalidenstraße aus?

S.T.: Dazu  gab es einen tollen Vorschlag: an diesen lauten Straßen keine Wohnungen zu bauen, sondern dort Büros und den Polizeistandort zu konzentrieren. Für Wohnungsbau kann dann das jetzige Polizeigelände zwischen Krupp- und Perleberger Straße entwickelt werden.  Die Idee gefiel Baustadtrat Gothe gut. Wir sind gespannt.

Die Fragen stellte Rainer Scholz