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Die Nazis und ihr Mütterkult

Ausstellung im Mitte Museum: „Frau, Familie, Volk und Rasse. Die Reichsmütterschule Berlin-Wedding im NS-System“

Traditionell war der Wedding ein Bezirk der Einwanderer und Arbeiter; ein politisch eher linker Bezirk. Nicht von ungefähr kam es deshalb, dass die Nazis im Jahre 1936 gerade diesen Stadtteil zur Eröffnung einer neuen Reichsmütterschule (RMS) auserkoren hatten.

Die RMS, das war Vermittlung von Kochrezepten und Rassenkunde unter einem Dach. Und der Absicht das zivile Hinterland zu stabilisieren.

Mit bescheidenen Mitteln und einem kleinem Team hat das Museum Mitte die ehemalige Mustereinrichtung des NS-Reiches erforscht. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die sich sehen lassen kann. (22. September 2013 bis 31. August 2014 – Eintritt frei) Die Ausstellung stellt zugleich eine Premiere dar. Noch nie wurde eine RMS in dieser Form bearbeitet. Dabei kann die Bearbeitung nicht leicht gewesen sein, denn das Thema RMS ist die Auseinandersetzung mit einem Instrument der Täter. Ein Thema, welches zudem unter dem Aspekt, der in der RMS unterrichteten Hauswirtschaftslehre sowie Mütter- und Säuglingspflege, seine ´gute` Seite gehabt zu haben scheint. Beim Rundgang durch die Ausstellung wird allerdings schnell deutlich, dass selbst die kleinste Puderdose ideologiebelastet und einem Ziel unterworfen war: Der ´Aufartung des deutschen Volkes und der arischen Rasse`. „Zum Sieg der Waffen muss der Sieg der Wiegen treten.“ (Walter Groß - Chef des Amtes für Rassen- und Bevölkerungspolitik).

So kann man zwar in einigen Räumen originale Spielsachen und Wohneinrichtungen der NS-Kultur betrachten oder auf Anleitungen zum Mutterschutz und Haushalts-Hygiene blicken, dem in einem anderen Raum aber die Vernetzung der Reichsfrauenschaftsführerin Gertrud Scholz-Klink in die NS-Hierarchie und perverse Rassenpropaganda ´organisch` gegenüber stehen.

Trotz Mutterkult und Haushaltsführung, erstes Ziel der Institution Mütterschule war die weltanschauliche Schulung für die Bestimmung der Frau im Nationalsozialismus: Ehevorbereitung, Gattenwahl und Zeugungsbereitschaft für die einen, Eugenik, Heiratsverbot, Sterilisation für die anderen.

Andreas Wiebel