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Die Volksbühne erhalten und stärken!

Unsere Kritik an der Zerstörung mit Ansage - die Volksbühne betreffend - gehört auch ins Abgeordnetenhaus, ins Hohe Haus.

Man muss die Volksbühne nicht mögen, sie nicht verstehen. Wenn man aber, wie Tim Renner und Michael Müller, kulturpolitische Verantwortung trägt, muss man um die Bedeutung der Volksbühne wissen, oder sich kundig machen, wenn man sie nicht einschätzen kann.

Es ist mir ein Rätsel, wie die Entscheidung, ab 2016/17 an der Volksbühne alles anders machen zu wollen und den Intendanten Frank Castorf und seine Mitstreiter nach Hause zu schicken, möglich war. Die Stadt braucht diesen Ort der Debatte und Auseinandersetzung und sie muss ihn erhalten und stärken.

Dieses Theater hat es geschafft, so wichtig für viele, gerade junge Menschen zu sein und ein Kristallisationspunkt mit so viel Bindungskraft zu werden. Es ist ein nachgefragter Ort, an dem man seine Fragen einbringen kann. Es ist ein Fehler dieser Regierung, ihn einfach abzuwickeln.

Die Volksbühne hat sich vor keiner Debatte gefürchtet, sich ständig neu erfunden und auch in Frage gestellt. Sie ist bemerkenswert mit Niederlagen umgegangen und mit dieser Haltung hat sie ein besonderes Angebot geschaffen und ist ein sehr wichtiger Identifikationsort geworden.

Die Schließung ist nicht nur falsch, es verbietet sich gerade in Zeiten der Desintegration, in dem es ganz existentiell um die Flieh-und Bindungskräfte in unsere Gesellschaft geht.

Viele, die Nutzer der Volksbühne, die Akteure selbst, die Intendanten der anderen Häuser, die allermeisten Theaterkritiker, haben mit guten Argumenten versucht, die Stadt vor diesem Fehler zu bewahren. Aber dazu hätten der Kultursenator und sein Staatssekretär sich korrigieren müssen. Das war den beiden (natürlich) nicht möglich.

Michael Müller, der als Regierender Bürgermeister Berlins Kultursenator ist, sagte allen Kritikern, sie müssten Mut zu Neuem haben. Diese Antwort würde ich gern an ihn zurückgeben, damit sich bei der SPD etwas verändert.

Wenn Politik aufhört, auf Argumente zu hören, Fragen zu beantworten oder das eigene Handeln zu reflektieren, dann kann sie nicht mehr produktiv gestalten.

Jetzt hat Michael Müller eine bemerkenswerte Rede im Abgeordnetenhaus gehalten. Er hat viele Akteure in seiner eigenen Regierung hart kritisiert und zum freiwilligen Rückzug aufgefordert. Das ist ungewöhnlich, aber nun muss er auch liefern. Ich bin mehr als skeptisch, was diese eigentlich schon abgewählte Regierung noch zustande bringt.

Carola Bluhm