Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Ein Stadtsommer wie immer

Manche ärgert, andere freut die Sommerhitze, manche strahlen schwitzend, auch gereizter Berliner Umgangston hält an. So beim Vater mit Kind im Großfahrrad in der Linienstraße, der den hupenden, dann haltenden Taxifahrer anbrüllt, bevor er und ein Mountainbike trotz Fußgänger über den gelb gestreiften Fußgängerüberweg rasen. Kein Ordnungsamt, Polizei oder Ampeln. Da macht es Sinn, wenn die Kita Kleine Auguststraße ein Riesenstoppbild auf den Damm sprayt. Manieren verfallen, Kulturerbe scheint auf Staatsoper und Mauerweg geschrumpft, dabei flanierten durch Berlin Mitte schon Bürgerliche und Aristokraten Unter den Linden, dampften im Feuerland Maschinen, gefielen Konsumtempel zwischen Leipziger Straße und Potsdamer Platz und grelles Amüsement in der Friedrich-, gabs proletarisches Elend nicht nur nördlich und östlich der heutigen Torstraße. Die hieß zu Ehren der 1871er Einverleibung von Elsaß und Lothringen ab 1883 halb Lothringer-, halb Elsässer Straße, getrennt am Rosenthaler Platz, doch am Geburtstag des ersten DDR-Präsidenten 1951 wurden beide zur Wilhelm-Pieck-Straße, diese wiederum dank Nachwendezeit 1994 zur Torstraße. Vergessen sind Oranienburger-, Rosenthaler und Prenzlauer Tor, heute gehts um Retro, Glasneubau, ausgefallene Gastronomie, coole Party, schrille Mode, wechselnde Startups, nicht um Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts und die ältere Vorstadt, dabei haben 50 Häuser Denkmalschutz! Ich gehe in der Torstraße meist zu Fuß, selten fährt, nur fünfmal hält der 142er Bus, zuverlässiger rauscht Tram Nummer 2 in und aus der Prenzlauer Allee, biegen 8 und 1 am Rosenthaler Platz ab, herrscht mit Generation Y und Z nächtlich Hochstimmung, ist der U-Bahnsteig auch Treffpunkt, Schlafplatz, Raucherinsel und Konzerthalle, während oben Ampeln den Verkehr stauen, auf Bürgersteigen geradelt wird. Überall Leute, Bier, Fleisch, Fisch, vegetarisch, vegan, Autolärm, Musik, viel Gerede. Lokale tragen See und Meer im Namen, Berlins Gewässer ist nah, von Ufer und Dampfer sieht man auch die Pergola unterhalb des zerstrittenen Monbijou-Theaters, die die Tanzfläche markiert. Es gibt die Prachtbauten Bode-Museum, Postfuhr-, Hauptpost- und Telegrafenamt aus jener Zeit, in der Großberlin Weltstadt wurde. Jetzt wird auch viel gebaut. Fast fertig der Doppeldurchgang Oranienburger Straße, doch zu unbewohnt und verkommen wirkt seit langem das große Haus 46/47.