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Erinnerung an Widerstandskämpfer im Wedding - Der Städtische Urnenfriedhof Seestraße

Ehrendes Gedenken an 295 Opfer des Faschismus

Auf dem Städtischen Urnenfriedhof Seestraße im Wedding befindet sich neben den Einzelgräbern von Widerstandskämpfern - wie Mitgliedern der Uhrig-Gruppe - eine Kriegsgräberanlage für 295 Opfer des Faschismus, die in der Hinrichtungsstätte Plötzensee ermordet wurden.  Dort wurden noch am 18. April 1945 Hinrichtungen durchgeführt, kurz bevor das Gefängnis am 25. April 1945 von Einheiten der Roten Armee befreit wurde.

Welche Schicksale stehen hinter den Namen auf den Einzelgräbern?  Dafür einige Beispiele:

Otto Schmirgal war seit 1925 Mitglied der KPD; er arbeitete seit 1927 bei der Straßenbahn, wurde in den Betriebsrat gewählt und war 1932 an der Vorbereitung und Durchführung des Berliner BVG-Streiks beteiligt. Schmirgal war der Hauptredner auf den Versammlungen, wie aus den Protokollen der mitschreibenden Polizei hervorgeht. Als er sich mit zwei weiteren Streikführern zu Verhandlungen in die BVG-Zentrale begab, wurde er verhaftet. Im März 1933 wurde er für die KPD als Abgeordneter in den preußischen Landtag gewählt, konnte aber wegen der einsetzenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten sein Mandat nicht ausüben. Schmirgal wurde in verschiedenen KZ in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Freilassung 1934 arbeitete er u.a. in der Zahnradfabrik in Wittenau. Während des Zweiten Weltkriegs wirkte er in der antifaschistischen Gruppe um Robert Uhrig, wurde 1942 erneut verhaftet und ins Zellengefängnis Moabit verbracht, wo er mit Werner Seelenbinder, Hans Zoschke und zehn weiteren Angeklagten „wegen kommunistischer Parteiarbeit“ vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde.

Albert Kayser wurde in der Nacht des Reichstagsbrands zeitgleich mit tausenden anderen KPD-Mitgliedern festgenommen und anschließend ins KZ gebracht. Später wurde er erneut verhaftet und gefoltert. Er ist 1944 im KZ Buchenwald gestorben.

Max Urich wurde 1929 für die SPD in die BVV Wedding gewählt. Er wurde im Mai 1933 bei der Erstürmung der Metallarbeiter-Gewerkschaftszentrale von der SA verhaftet und ins KZ Columbia verschleppt. Nach Freilassung Mitglied der „illegalen“ Leitung der Berliner SPD. Er wurde 1935 erneut verhaftet und in verschiedene KZ verbracht. Während des Transports ins KZ Flossenbürg konnte er fliehen. Von 1954 – 63 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Otto Lemm leitete eine kommunistische Betriebszelle in der Berliner Maschinenbau AG (Chausseestraße) und fand Anschluss an die antifaschistische Uhrig-Gruppe. Anfang 1942 wurde er mit über hundert Mitgliedern der Uhrig-Gruppe verhaftet. Strafgefängnis Plötzensee. März 1944 Todesurteil durch den Volksgerichtshof. Seine letzte Wohnung befand sich in der Oudenarder Straße 28.                                                          

Rainer Scholz