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Kiez-Pfleger Wolfgang Breitenborn sorgt für Wohlbefinden

Rund 18 000 Schritte geht Wolfgang Breitenborn laut seinem Handy-Schrittzähler trotz Corona-Einschränkungen viermal wöchentlich durch den Kiez zwischen Schilling-, Singer-, Neue Blumenstraße und Karl-Marx-Allee. Zu seiner Ausrüstung gehören Besen, Schaufel, Unkrautbrenner, Laubbläser und Papierzange.  Früh um sieben beginnt der Hauswart im Außenbereich seine Touren mit einem Handwagen durch das Wohngebiet mit Fünf- bis 16-Etagen-Wohnhäusern mit ihren Vorgärten und großzügigen Grün- und Parkanlagen rundum.

"Ich bin jetzt 40 Jahre berufstätig, aber erst 2018 habe ich meinen Idealjob gefunden", gesteht der 56-jährige rührige Kiezpfleger. "Für die Mieter der Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität e.G. sorge ich für Sauberkeit, Ordnung und damit mit für deren Wohlbefinden. Ich kehre, sammle Papier, Glasbruch und Zigarettenkippen auf, brenne Unkraut zwischen den Gehwegplatten weg und leere die Papier- und Abfallbehälter. Im Sommer müssen die Blumenrabatten, Wiesen und Bäume mit viel Wasser versorgt werden. Im Herbst fallen Unmengen Laub an. Zu tun habe ich immer." Sein Job sei deshalb ideal, weil "ich an der frischen Luft arbeiten, den Ablauf selbständig einteilen kann und mir Natur und Umwelt einfach Spaß machen". Aber der zweifache Vater, der mit einer Altenpflegerin verheiratet ist, ärgert sich, dass es Passanten in den Straßen gibt, die gedankenlos ihre Zigarettenkippen oder Papierfetzen auf den Boden werfen.  "Auch stören mich Plastiktüten und Müll in den Biotonnen".

"Seitdem Herr Breitenborn zu uns kommt, ist es hier immer sauber und gepflegt", loben die Bewohner. Und er nimmt sich hin und wieder - auch bei der Coronapandemie - die Zeit für ein Schwätzchen vor der Haustür über das Wetter und die Zeiten, natürlich momentan bei anderthalb Metern Abstand.

Wolfgang Breitenborn war 1963 im niedersächsischen Vöhrum geboren worden. In Seesen am Rande des Harzes ging der Sohn eines Stapelfahrers und einer Köchin zur Schule, die er dann in Berlin, wohin die siebenköpfige Familie 1978 gezogen war, beendete. Eigentlich wollte er Autoschlosser werden, wurde aber bei Siemens Fräser. Doch statt Bauteile für Maschinen und Fahrzeuge zu fertigen wollte er lieber moderne Fenster und Türen in sanierte Altbauten einbauen, arbeitete 34 Jahre in einer Tischlerei.

Mit der U-Bahn kommt der fleißige Kiezreiniger nun täglich aus Neukölln zur Zentrale der Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität in der Schillingstraße. Von hier startet er dann seine Touren. Auch in seiner Freizeit werkelt er gern, hilft bei Reparaturen in Wohnungen seiner Familie und im Garten seiner Schwester. Wenn seine Frau von der Schicht im Pflegeheim nach Hause kommt, hat er oft schon gekocht. "Wenn diese komplizierten Coronazeiten endlich vorbei sind, würden wir gern mal nach Griechenland fliegen", sagt er voller Vorfreude. "Aber danach zieht es mich wieder zurück in den grünen Kiez in Berlin-Mitte."

Matthias Herold