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Kulturförderung im Gießkannenprinzip

Zuerst kommt das Fressen, am Ende die Kultur. So ließe sich ein bekanntes Sprichwort auf die prekäre Situation ummünzen, der viele Kunst- und Kulturschaffende dieser Stadt seit langem ausgesetzt sind. Zwar gehört Kultur zur alltäglichen Rhetorik im Berliner Politikbetrieb, im öffentlichen Haushalt rangiert sie aber unter ferner liefen. Die Kassen sind leer, jene der Hauptstadt im Besonderen. So wird um das Bisschen, das es noch zu verteilen gibt, doppelhart gerungen.

Doch auch im Mangel gibt es Stufen. Die ´etablierte Hochkultur` mit 27 Bühnen und Ensembles bekommt vom Land Berlin jährlich 215 Millionen Euro überwiesen. Geld, wovon die weniger institutionalisierte freie Szene nur träumen kann. Dutzende Off-Bühnen, Kunsträume und Tanz-Compagnien müssen mit insgesamt zehn Millionen Euro an Subventionen auskommen.

Im Gießkannenprinzip werden die kargen Mittel von einer zur anderen Finanzierungslücke geschoben. Bei der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten gibt es dazu verschiedene Förderprogramme, die kompliziert genug, alle ein-zwei Jahre neu gestellt werden müssen. Zuletzt wurde die Liste zur zweijährigen Basis- und Spielstättenförderung im Bereich Darstellende Kunst vorgestellt. Fünf Millionen Fördervolumen standen einem dreimal höheren Bedarf gegenüber. Das bedeutet, dass von 55 Anträgen nur 33 berücksichtigt werden konnten. Unter anderen die Tanzfabrik mit ihren Uferstudios im Wedding oder der Ackerstadtpalast; wohingegen die Zeitgenössische Oper und die Vierte Welt, das progressivste Theater Berlins, durchs Raster fielen.

Seit Jahren fordert die Koalition der Freien Szene deshalb eine Aufstockung der Mittel. 18 Millionen sind konkret errechnet, die ein Ende prekärer Stundenlöhne, weit unter dem Mindestlohn, für alle Kunst- und Kulturschaffenden bringen sollen. Als Quelle wurde die Citytax (Hotelbetten-Steuer) ins Gespräch gebracht und vom letzten Kulturstaatssekretär André Schmitz eigentlich zugesagt, dann doch nicht umgesetzt. So liegen die  Hoffnungen auf dem neuen. Tim Renner soll die Förderung der freien Szene weg vom Gießkannenprinzip in liquidere Gewässer führen.

Andreas Wiebel