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Mamadou Kone sorgt für die Zeitungen der Berliner

Ein kräftiger, zuverlässiger und immer freundlicher Afrikaner versorgt über die ganze Woche Tausende Leser in Mitte mit Tageszeitungen wie "Morgenpost", "Berliner Zeitung" oder "Neues Deutschland" und mit den lokalen Wochenzeitungen "Berliner Woche" und "Berliner Abendzeitung". Als Mitarbeiter der ZAM Zustellagentur Mitte GmbH organisiert Mamadou Kone mit die Touren, nimmt Lieferungen von den Druckereien entgegen, teilt die Pakete den Zustellern zwischen Krautstraße, Anklamer Straße und Annenhöfen zu und verteilt auch selbst straßenzugweise mit. Da viele Abonnenten ihre Zeitungen schon mit auf den Weg zur Arbeit nehmen wollen, beginnt die Schicht von Mamadou Kone und seinen Kollegen schon nach Mitternacht. 

"Diese Tätigkeit macht mir trotzdem Spaß, habe ich durch sie doch bisher auch vieles hinzugelernt, wie das Bedienen von Gabelstaplern", sagt der 42-jährige Nigerianer. "Ich kenne mich jetzt auch gut im Berliner Zentrum aus und kann die deutsche Sprache üben". 

Von Beruf ist er eigentlich Computeringenieur, absolvierte in seiner Heimatstadt Lagos Abitur und Studium, ging für mehrere Jahre nach China, um dort den Handel mit nigerianischem Kakao und anderen Produkten zu managen. 2014 kam er über Amsterdam nach Berlin. "Ich hatte viel Positives über die Wirtschaft und das Leben in Deutschland gehört und wollte hier einen beruflichen Neustart wagen, Fuß fassen und alle meine Kenntnisse und bisherigen Erfahrungen einbringen", begründet er seinen Schritt. Perfekt spricht er Englisch und Chinesisch, will auch bald Deutsch beherrschen. Mamadous Vorliebe gehört der digitalen Arbeit. Per YouTube gestaltet er Werbefilme für afrikanische und deutsche Produkte, stellt qualitative Vergleiche zwischen Erzeugnissen an und wirbt für neue und gebrauchte Hilfsgüter für Afrika. 

 

Lebenstraum Dokfilm-Regisseur

 

"Sobald ich die offizielle Aufenthaltsgenehmigung bekommen habe, möchte ich meinen Lebenstraum realisieren, Dokumentarfilm-Regisseur zu werden", sagt er voller Optimismus. Eine Filmschule in Berlin hat er schon ausfindig gemacht. "Mein erster Streifen soll eine ungeschminkte Reportage über die Realität in der BRD sein, mit Interviews mit Durchschnittsdeutschen, Arbeitnehmern, Arbeitslosen, Obdachlosen und Flüchtlingen, um den Afrikanern das Trugbild eines Paradieses zu nehmen". Auf seinem Smartphone hat Mamadou Kone schon eine Reihe von Videoversuchen gespeichert. Jetzt in seinem Urlaub war er in der Mercedes Benz Arena zur Weltmeisterschaft Zehntausender Fans des Computerspiels "Playerunknown's Battlegrounds" (PUBG) und wollte endlich auch einmal den Filmpark Babelsberg kennenlernen. Alles dreht sich bei ihm schon um Computer und Filme. "Und natürlich werde ich den Zeitungslesern in der Mitte Berlins noch so lange wie möglich treu bleiben", verspricht er.

Matthias Herold