Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Michael Prütz: Nach dem Mietendeckel die Enteignung

Jannis Grosse
Demonstration Mietenwahnsinn stoppen! in Berlin Am 06. April 2019 haben nach Veranstaler-Angaben rund 40.000 Menschen gegen zu hohe Mieten und für die Enteignung der Deutsche Wohnen in Berlin demonstriert. Berlin Deutschland *** On 06 April 2019, around 40,000 people demonstrated against excessive rents and for the expropriation of German housing in Berlin, according to organizers Berlin Germany

"Wir werden gewinnen, Zehntausende Mieter Berlins werden vor den Miethaien gerettet werden. Nach dem Mietendeckel ist vor der Enteignung".  Davon fest überzeugt ist Michael Prütz, einer der Sprecher der Volksinitiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen". "77 000 Unterstützerunterschriften für das Volksbegehren vom Juni 2019 - schon 20 000 hätten für die erste Stufe der Kampagne ausgereicht - warten noch auf die rechtliche Prüfung durch Innensenator Geisel", mahnt der 67-jährige Versicherungsmakler an.

Inzwischen sind die Aktivisten um Rouzbeh Taheri und Michael Prütz längst wieder in die Offensive gegangen. 8 000 Plakate wurden in ganz Berlin geklebt. Die Diskussion eines Thesenpapiers "Vergesellschaftung und Gemeinwirtschaft"  begann Ende Januar mit 250 Teilnehmern im "Aquarium" am Kottbusser Tor. Jede Menge Gesprächsrunden, Versammlungen und Tagungen werden in den kommenden Monaten stattfinden mit Politikern, Juristen, Wissenschaftlern, aber vor allem mit den  Mietern. 

"Unsere wunderbare Kampagne, die eindeutig auf dem deutschen Grundgesetz, Artikel 15 basiert, holt neuen Schwung, erreicht wieder mehr Menschen trotz Gegenoffensiven von Investorenvereinen und konservativen Parteien", freut sich Michael Prütz. "Bald steuern wir die zweite Stufe der Volksbefragung an".

Der Mann mit der markanten Schildmütze ist gebürtiger Kreuzberger, studierte an der Freien Universität Politikwissenschaften, war Aktivist der 1968-er Studentenbewegung. 2017 versammelte sich in seinem Büro in der Graefestraße ein kleiner Kreis von Bürgern, die über Widerstand gegen den sich in Berlin entfesselnden Mietenwahnsinn nachdachten. "Enteignung der Miethaie wurde zum Schlagwort", erklärt der vierfache Vater. Immer neue Initiativen bildeten sich wie "Kotti und Co" oder "Bizim Kiez" in der Wrangelstraße.

"Deutsche Wohnen & Co enteignen" zählt inzwischen fast 300 Aktivisten aller Berufe zwischen 19 und 77. Alle 14 Tage wird auf Plenen in der Urbanstraße die aktuelle Situation erörtert. Fünf Arbeitsgruppen beraten juristische, organisatorische und Öffentlichkeitsfragen. "Allein im vergangenen Jahr war ich zu 94 Veranstaltungen in allen Teilen Berlins, aber auch in München, Hamburg und Duisburg, wo man unsere Erfahrungen kennenlernen möchte", zieht er Zwischenbilanz. rbb, ZDF, Deutschlandfunk und  zahlreiche Zeitungen baten ihn um Interviews oder zu Talkshows. "Sogar zu einer internen Mitgliederversammlung der Tempelhofer CDU war ich eingeladen. Selbst dort fand ich bei mindestens einem Drittel der Teilnehmer Unterstützung". Natürlich ärgert er sich über Hasstiraden in den sozialen Medien, Verunglimpfungen in manchen Zeitungen  und beleidigende Äußerungen von bestimmten Politikern.

"Wir werden noch ein bis anderthalb Jahre für unser Ziel ringen müssen, vielleicht bis zu den nächsten Berliner Wahlen", meint Michael Prütz. "Schon haben wir einiges bewegt, die Deutsche Wohnen verkauft Tausende Wohnungen an landeseigene Immobiliengesellschaften. Wir können gewinnen, wir setzen alles daran im Interesse der Millionen Berliner Mieter!"

Matthias Herold