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Neugestaltetes Weddinger Rathausumfeld zwischen Müllerstraße und Genter Straße übergeben

Mit zwei Jahren Verspätung wurde das neue Rathausumfeld zwischen Müllerstraße
und Genter Straße Ende letzten Jahres eingeweiht   –   einschließlich einer Gedenkstele für die Widerstandskämpfer*innen Elise und Otto Hampel. Die Stele war im Juli 2018 aufgestellt worden.

Eigentlich hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Jahre 2014 beschlossen, den Rathausvorplatz „Elise-und-Otto-Hampel-Platz“ zu nennen. Das Ehepaar Hampel hatte während des Faschismus in der Umgebung ihrer Weddinger Wohnung handbeschriftete Postkarten verteilt, in denen sie zum Widerstand gegen das Nazi-Regime aufriefen. Das Ehepaar wurde schließlich beim Auslegen der Karten beobachtet, denunziert und 1943 in Plötzensee hingerichtet. Hans Fallada widmete ihnen seinen weltberühmten Roman „Jeder stirbt für sich allein“. Trotz langer Diskussionen wurde der Rathausvorplatz nicht nach den Widerstandskämpfern benannt. Der Fußgängerweg am Rathaus heißt jedoch seit Februar Elise-und-Otto-Hampel-Weg.

Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) wollte keine Platzbenennung, stellte dann aber schließlich auf Bitten des Bezirksamtes einen Benennungsantrag. Der BIM gehören der Rathausturm (das heutige Jobcenter) und dessen Vorplatz. Doch das Straßen- und Grünflächenamt (SGA), dessen Chefin Stadträtin Weißler (Grüne) ist, hatte die Benennung abgelehnt. Eine Platzbenennung würde die Hausnummern der Müllerstraße unterbrechen und diene nicht der eindeutigen Orientierung, teilte das SGA der BIM mit – also der Firma und Platzeigentümerin, die immer gegen eine Benennung und vom Bezirk zu einem Antrag gedrängt worden war. Obwohl Anwohner, Stadtteilvertretung und auch die BVV klar für eine Neubenennung votierten, argumentierte jetzt auch die BIM, das würde „eine Adressänderung für das Jobcenter“ bedeuten, für dessen Besucher die Orientierung nicht erschwert werden solle – denn die würden die Müllerstraße 147 leichter finden. Dem steht allerdings entgegen, dass es gerade in der Müllerstraße eine zweite Arbeitsagentur gibt, die von Besuchern mit der Müllerstr.147 verwechselt werden könnte, so dass Termine verpasst werden, was bei der vorhandenen Bereitschaft zu Leistungskürzungen fatale Folgen haben kann.

Insgesamt zeigt sich eine bürokratische, geschichtsvergessene Haltung, wo es doch gerade angesichts der gegenwärtigen Entwicklung zum Rechtsextremismus an der Zeit wäre, auch die stillen Helden des Widerstands zu würdigen.                                            Rainer Scholz

Zur jahrelangen Auseinandersetzung um eine Würdigung für die beiden Widerstandskämpfer*innen Elise und Otto Hampel siehe auch die für die Stadtteilvertretung mensch.müller erstellte Doku „Chronologie eines Wortbruchs.