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Patriotismus und Hunger oder wie der Krieg von innen aussah

„Schon wieder Geschichte“, „Nicht noch eine Ausstellung“ – mag sich denken, wem das Hundertjährige des Ersten Weltkriegs inzwischen bereits abgehandelt erscheint. Und dennoch gibt es Facetten dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die in den großen Erinnerungs-Institutionen und -Programmen zu kurz kommen: Die biografischen Verwicklungen der Menschen von nebenan.

Mit der Sonderausstellung „Es ist Krieg! Feldpost, Fotografien und Erinnerungen 1914-1918“ schließt das Mitte Museum diese regionalhistorische Lücke. Anhand der Kindheitserinnerungen von Else Bugge aus der Weddinger Badstraße 23a erfährt man beispielsweise, dass nicht alle damals Hurra-Patrioten gewesen waren, wie manche Guido-Knopp-Sendung vermittelt. Im Gegenteil: Besonders junge Frauen wie Else Bugge hatten Angst und größte Sorgen; der Krieg und seine Folgen zogen sich mitten durch ihr anders geplantes Leben.

Andererseits zeugen die Papiere des in der Moabiter Kaserne stationierten Militärmusikers Arthur Grünthal von „erfolgreicher“ und linientreuer Teilnahme an West- und Ostfront. Wahrscheinlich war Grünthal später sogar Mitglied im berüchtigten Freikorps-Regiment „Reinhard“, welches sich aus Beständen des Ersten Weltkriegs speiste und gegen die Novemberrevolutionäre kämpfte.

Aus privaten Nachlässen, zeitgenössischen Publikationen und weiteren Objekten ist es dem Mitte Museum abermals gelungen eine kleine aber feine Ausstellung zu konzipieren, die den „großen Krieg der weißen Männer“ (Arnold Zweig) im Leben der Anwohner von Berlin-Mitte spiegelt. Das heißt, der Ausstellungsschwerpunkt ist die Beziehung von Front und „Heimatfront“. Dabei bleibt die Ausstellung nicht am Ende des Weltkriegs stehen, sondern beleuchtet mit dem Sturz des Kaiserreichs auch die epochalen Ereignisse im Anschluss und den Beginn der Weimarer Republik.

Ausstellungsdauer: 12. November 2014 bis 30. August 2015, Mitte Museum Berlin, Pankstraße 47 – Eintritt frei.

Andreas Wiebel