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Persönliche Erfahrungen gegen Diskriminierung und Rassismus für die BVV!

Interview mit Samiulla Haidary, Kandidat für die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte

 

Sami, du bewirbst dich als Mitglied der Partei DIE LINKE mit Migrationshintergrund für einen Platz in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Berlin-Mitte. Wie bist du nach Berlin gekommen?

 

Ich komme aus Afghanistan und lebe seit 2013 in Deutschland, seit 2014 in Berlin. Aus Sicherheitsgründen musste ich mein Land verlassen, habe mein Studium für Wirtschaft und Recht unterbrochen. Meine Familie, ich habe vier Schwestern und vier Brüder, ist noch in Afghanistan. Der Berliner Senat hat mein Fachabitur anerkannt und so konnte ich 2019 eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement erfolgreich beenden. Zuvor hatte ich ein Jahr lang intensiv die deutsche Sprache erlernt, dafür ein Stipendium der Otto Benecke Stiftung erhalten. Derzeit arbeite ich bei einem Verein als Office Manager.

 

Wie würdest du deine ersten Erfahrungen in Deutschland beschreiben? Wie wurdest du aufgenommen?

 

Nach meiner Ankunft in Deutschland war ich zuerst in Brandenburg in einer Gemeinschaftsunterkunft. Wenn man als Geflüchteter hierher kommt, wird einem nichts geschenkt, du musst dich bemühen und auch kämpfen. In Brandenburg waren viele ältere Menschen mir gegenüber verschlossen. In Berlin wurde das anders. Mit viel Glück habe ich sehr schnell ROTER STERN BERLIN 2012 e.V., einen politischen Sport- und Freizeitverein, kennengelernt, einen Verein, der sich für Antidiskriminierung und Antirassismus einsetzt. Damals waren wir nur 50, heute sind ca. 500 Menschen dort aktiv, ich spiele regelmäßig in der Fußball-Mannschaft. Ebenso engagiert bin ich anderen Vereinen wie Campus Cosmopolis e.V., der das Zusammenleben von Geflüchteten und Einwohnern organisiert.

 

Wie bist du zur Partei DIE LINKE gekommen?

 

Beim ROTER STERN traf ich viele Genossinnen und Genossen. 2016 habe ich noch parteilos beim Wahlkampf geholfen, nahm an diversen Veranstaltungen teil. Aktives Mitglied bin ich seit 2018, seitdem auch Bürgerdeputierter im Ausschuss Integration des Bezirksamtes Mitte. DIE LINKE steht für meine Vorstellungen von Gesellschaft, für die Werte, für die ich mich einsetze, für Integration, Partizipation, Mitgestaltungsrecht, als Mensch wahrgenommen zu werden. Ich wurde vor kurzem eingebürgert und habe das Recht, zu wählen und gewählt zu werden. Jetzt kandidiere ich für die nächste Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte. Nach meiner Wahl am 26. September möchte ich meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse als geflüchteter Mensch aus Afghanistan einbringen. Berlin ist eine große Stadt, es ist wichtig, dass man seinen Beitrag leistet. Wir haben viel zu tun.

 

Das Interview mit Samiullah Haidary, 28, führte Sarah Sebhatu.