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„Regisseur klingt immer so nach Kunst“

Viel Applaus für Andreas Dresen am 16.03.2014 im Deutschen Theater

Gregor Gysi trifft Andreas Dresen im Deutschen Theater

Die Reihe „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“ ist eine feste Institution am Deutschen Theater und sorgt regelmäßig für ein ausverkauftes Haus. Wer sich einmal am Sonntag dahin aufgemacht hat, weiß, wie angenehm die Atmosphäre an diesen Vormittagen ist.

Man kennt sich.

Andreas Dresen, einer der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Filmregisseure, nahm dieses Mal auf dem roten Sessel Platz und plauderte so offen über sein Leben, seine Erfahrungen in der DDR und seine Filme, dass Gregor Gysi öfter den Satz „dazu kommen wir noch“ gebrauchen musste und das Publikum damit sehr amüsierte.

Ausgehend von Dresens Kindheit und Jugend in einem in mehrfacher Hinsicht sehr stark vom Theater beeinflussten Elternhaus (immerhin war sein Vater der berühmte Theaterregisseur Adolf Dresen, seine Mutter die Schauspielerin Barbara Bachmann und sein Ziehvater der ebenfalls bekannte Regisseur Christoph Schroth) versorgte Andreas Dresen die Zuschauer mit wundervollen Anekdoten.

Dresen erzählte, wie er als Zehnjähriger den „Faust“ als Puppenspiel aufführte und vom Publikum, bestehend aus seinem Vater, seinem Ziehvater und einem weiteren befreundeten Regisseur, eine vernichtende Kritik zu hören bekam, so dass seine Mutter ihn mit den Worten „die haben doch keine Ahnung von Theater“ trösten musste.

Noch heute berichtet er, dass er einen wahnsinnigen Respekt vor der Theaterarbeit hat. Er erzählte von der ersten Kamera, einer Aka 8 , die ihm sein Vater schenkte und über die er meinte: „Da kann man mit ´nem Panzer drüber fahren, die würde immer noch laufen.“   Die Zeit des Mauerfalls war natürlich ein einschneidendes Ereignis, das sowohl Gysis als auch Dresens Biografie in besonderem Maße prägte. „Zum ersten Mal wurde mir klar, dass das Brandenburger Tor ein Tor ist“, fasste Andreas Dresen die Veränderungen zusammen. Auch die Bedeutung Lothar Biskys, der ein gemeinsamer Freund war, wurde hervorgehoben. Über die Wiedervereinigung und Nachwendezeit sagte Dresen: „Wir haben etwas Einmaliges verpasst - aus zwei Segmenten etwas besseres Drittes zu machen.“ Ein Satz, der mit großem Beifall aus dem Publikum quittiert wurde.  Abschließend standen die vielen großartigen Filme im Mittelpunkt der Unterhaltung. Für Dresen ist „Film immer die Arbeit einer Gruppe von Menschen“, weswegen er sich auch viel lieber als Spielleiter denn als Regisseur bezeichnet.

Andreas Dresen war ein sehr dankbarer Gast, der das Publikum glänzend unterhielt, so dass Gysi am Ende nur zu sagen blieb: „Wir haben heillos überzogen.“

JM