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Studie belegt krasse Eigentumsverhältnisse - Mietenwahnsinn in Mitte verschärft Wohnungsnot

Wie steht es speziell im Bezirk Mitte mit der Leistbarkeit angebotener Wohnungen (30 Prozent des Haushaltseinkommens) für durchschnittlich verdienende Zwei-Personen-Haushalte?  98 Prozent der angebotenen Wohnungen sind hier zu teuer!  

 

Das ist ein schlagendes Argument für den Mietendeckel, der seit 23.11.2020 auch für Mietsenkung angewandt werden muss. Zur Berechnung der „Leistbarkeit“ angebotener Wohnungen in Mitte wurden übrigens vom Webprojekt Mietenwatch.de Tausende von Wohnungen von den Nettokaltmieten über die Nebenkosten bis zur Ausstattung und Lage seit 2018 ausgewertet.

        Wie konnte es zu einem derartigen Missverhältnis zwischen Einkommens- und Mietkostenentwicklung kommen?   Vor allem der Renditehunger von Großinvestoren auf dem Wohnungsmarkt wirkt sich zerstörerisch auf städtische Wohn- und Sozialstrukturen aus und gefährdet besonders die Milieuschutzgebiete.

Fast die Hälfte Berlins gehört mittlerweile wenigen tausend Multimillionären. Rund 800.000 der etwa 1,75 Millionen vermieteten Wohnungen gehören großen Eigentümer*innen. Das ist das Ergebnis der kürzlich von Christoph Trautvetter vorgelegten Studie „Wem gehört die Stadt?“

Neben den bekannten großen Eigentümern wie Deutsche Wohnen, Vonovia, der Adler Group, Covivio oder Heimstaden, über die wir auch in der „Mittendrin“ oft berichten, gehören zu den renditeorientierten professionellen Hausbesitzern, viele Anlagefonds oder sogenannte Family Offices als Vermögensverwaltungen superreicher Familien. Verschachtelte Firmen und sogar GmbH’s für jedes einzelne Haus(!) sollen die Besitzer verstecken. Jahrelange Recherchen des Finanzexperten Christoph Trautvetter zusammen mit Mieter*innen und Journalist*innen haben mehr Licht ins Dunkel gebracht.

Die Folgen des Renditehungers von Großinvestoren, der gegenwärtig geradezu in einen Ausverkauf der Berliner Immobilien mündet, zeigen sich in den bekannten Formen, nämlich

  • Umwandlung in Eigentumswohnungen nach einer Abgeschlossenheitsbescheinigung,
  • Leerstand, und zwar so lange, bis der erwartete Höchstprofit angeboten wird,
  • Luxussanierungen wie z.B. zwei Toiletten, Einbau von Dachgeschossen,
  • teure Modernisierungen, die zur Verdrängung bisheriger Mieter führen sollen,
  • Umbau zu Mikro-Appartements, die insgesamt zu weitaus höheren Profiten führen.

Am Beispiel des H e i m s t a d e n-Konzerns, der früher als Skjerven Property Management GmbH firmierte, lassen sich diese Investorenmethoden gut verfolgen: Einar Skjerven hat in Berlin u.a. Wohnungen zu insgesamt 280 luxuriösen „Microapartments“ umbauen lassen, dazu eine großzügige Lobby mit Concierge, eine hotelartige Lounge, ein privater Fitnessclub und Büros für Start-up-Unternehmen inklusive. Die Kleinwohnungen sollten im Schnitt 8.500  Euro/qm kosten und waren für „digitale Nomaden“ gedacht …

Rainer Scholz