Unser solidarischer Fünf-Punkte-Plan
zu Drogen & Obdachlosigkeit im Heinrich-Heine-Viertel
Immer mehr Menschen mit Suchtproblemen und psychischen Erkrankungen landen auf der Straße. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind auch im Heinrich-Heine-Viertel zunehmend spürbar. Im Rahmen von zwei Veranstaltungen hat sich die lokale Basisorganisation der Partei Die Linke mit vielen Menschen aus der Nachbarschaft auf die Suche nach Lösungen gemacht.
Am 9. Februar 2026 diskutierten rund 70 Nachbar*innen mit Christoph Keller (Bezirksstadtrat, Die Linke), sowie mit Vertreter*innen vom Kinderzentrum Ottokar und von Gangway (Straßensozialarbeit) über bestehende Herausforderungen. Hier konnten erste Ideen zur Verbesserung der Situation benannt werden. Am 21. Juni folgte die Fortsetzung. 20 Teilnehmende aus der Nachbarschaft erarbeiteten mit uns einen 5-Punkte-Plan, der konkrete Ideen zur Verbesserung der Situation enthält.
Diesen gemeinsam entwickelten Plan stellen wir nun vor. Er bildet die Arbeitsgrundlage für unsere gewählten Vertreter*innen in den bezirklichen und städtischen Gremien. Er soll außerdem engagierte Kiezakteure bestärken und inspirieren. Obwohl uns bewusst ist, dass wir überregionale Probleme nicht im Kiez oder im Bezirk lösen werden, gibt es doch viele konkrete Ansätze, mit denen wir das Zusammenleben ALLER Menschen in unserer Nachbarschaft ein bisschen solidarischer und angenehmer gestalten können.
Kinder und Jugendliche brauchen Schutz, Orientierung und sichere Orte. Wir setzen auf Aufklärung, Prävention und verlässliche Strukturen.
- Aufklärung über die Lebensrealität obdachloser und konsumierender Menschen durch altersgerechte Bildungs- und Begegnungsformate in Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen
(u.a. mit ehemaligen Betroffenen wie z.B. UfO – Union für Obdachlose). - Etablierung fachlicher Vertrauenspersonen und Stärkung von Sozialarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen, damit z.B. suchtgefährdete Jugendliche Ansprechpersonen haben.
- Ausbau sicherer Spiel-, Freizeit- und Aufenthaltsorte
(z.B. durch das Aufstellen von Abwurfbehältern rund um den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße für Spritzen und Konsumutensilien, um Verletzungs- und Infektionsrisiken zu reduzieren; organisierte Begleitungen für Kinder auf dem Nachhauseweg aus Jugendeinrichtungen).
Viele Menschen fühlen sich im Alltag unsicher und allein gelassen. Wir schaffen Transparenz, stärken Wissen und fördern den direkten Austausch.
- Informations- und Bildungsangebote zu Hilfen, Anlaufstellen und Unterstützungsstrukturen im Kiez
(z.B. mit Veranstaltungen oder Aushängen in Hauseingängen landeseigener Wohnungsunternehmen und U-Bahn-Stationen). - Dialog zwischen Anwohner*innen, sozialen Einrichtungen und Behörden
(z.B. durch die Wiedereinführung eines „Runden Tisches“). - Notwendige Beleuchtung in dunklen Seitenstraßen für ein sicheres Wohngefühl
(z.B. am nördlichen Eingang zur U-Bahn Heinrich-Heine-Straße).
Menschen in akuten Krisen brauchen verlässliche, niedrigschwellige Unterstützung im Alltag und echte Zugänge ins Hilfesystem.
- Ganzjährige Notübernachtungen und Drogenkonsumräume im Kiez, damit Menschen nicht zwischen Sträuchern und Treppenhäusern Zuflucht suchen müssen
(z. B. Nutzung des ehemaligen Finanzamts). - Aufsuchende Sozialarbeit und niedrigschwellige medizinische Versorgung direkt im Viertel
(z.B. Fixpunkt-Team für das Heinrich-Heine-Viertel und Spritzenautomaten für sicheren Konsum) - Infrastruktur für Grundbedürfnisse: Trinkwasserbrunnen über die Berliner Wasserbetriebe
(z.B. Ecke Heinrich-Heine-Straße/Annenstraße), mobile Dusch- und Waschräume, Schließfächer, Strom- und Internetzugang).
Nachhaltige Lösungen brauchen starke Fachkräfte und verlässliche Ressourcen.
- Faire Arbeitsbedingungen: Supervision, Weiterbildung, sichere, tarifgebundene Verträge für Sozialarbeiter*innen (auch bei den Freien Trägern)
- Absicherung professioneller sozialer Arbeit statt Auslagerung auf Ehrenamt
(z.B. Tafel, Kälte- und Wärmehilfe, Suppenküchen). - Langfristige Finanzierungen ohne unnötige bürokratische Dokumentationspflichten für Sozialarbeitende
(z.B. für Fixpunkt, Streetwork und Stadtteilarbeit)
Ein lebendiger Kiez entsteht durch Engagement und Beteiligung.
- Förderungen und Räume für lokale Initiativen
(z.B. Erhalt des Stadtteilladens Dialog 101 in der Köpenicker Straße, finanzielle Absicherung von UfO – Union für Obdachlose). - Erhalt Mobiler Stadtteilarbeit als wichtiger Akteur zur Vernetzung, Beteiligung und Unterstützung von Ehrenamtlichen und Engagierten im Sozialraum.
- Bereitstellung von Fördermitteln für nachbarschaftliche Begegnungsformate
(z.B. gemeinsame Nachbarschaftsfeste von Sozialarbeitenden, Nachbar*innen und Betroffenen von Obdachlosigkeit)
Wir bedanken uns bei allen Nachbar*innen und Engagierten, die mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen zu diesem Plan beigetragen haben. Als Basisorganisation werden wir uns für die Realisierung der Ziele und Ideen starkmachen.
Du hast Fragen oder möchtest dich einbringen?
Nimm gern mit uns Kontakt auf!
