Kriminalistisches in der Geschichte unseres Kiezes
Bei bestem Wetter fand unser erster historischer Krimi-Spaziergang am 12.05 statt, bei dem uns Prof. Dr. Frank-Rainer Schurich (lehrte an der Humboldt-Universität Kriminalistik und Kriminologie) vom Gendarmenmarkt bis zur Getraudenbrücke am Spittelmarkt führte.
Treffpunkt war das Schillerdenkmal auf dem Gendarmenmarkt.
Durch einen Teileinsturz des Deutschen Doms im Jahr 1781, kam der Architekt Carl von Gontard für kurze Zeit ins Gefängnis, wurde jedoch bald darauf entlassen und übernahm die Bauleitung für die Königliche Bibliothek.
1929, 1943 und 1994 brannte der Dom. Bislang ist kein einziger Mord auf dem Gendarmenmarkt überliefert.
Auf dem Gendarmenmarkt befindet sich auch das E.T.A. Hoffmann Denkmal. Der Schriftsteller war auch Richter am Kammergericht Berlin, dem höchsten Berliner Gericht und lebte in der Nähe des Platzes.
Auf dem Hausvogteiplatz befand sich das Hausvogtei-Gefängnis, das gemeinhin als Gefängnis für Reiche bezeichnet wurde. Der berühmteste Gefangene war der Dichter Fritz Reuter.
Unweit der Friedrichswerdersche Kirche befand sich das Reichskriminalpolizeiamt. Direktor war Arthur Nebe. In der breiten Öffentlichkeit war Nebe bekannt dafür, dass er Mitverschwörer beim Attentatsversuch auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 war. Dafür wurde er am März 1945 als Volksverräter hingerichtet. Weniger bekannt ist, das Nebe ein Kriegsverbrecher war. In seiner Rolle als Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B war er unter anderem verantwortlich für viele Massaker an russischen Juden, er ließ Massentötung durch Giftgas erproben, beschaffte das Giftgas für die Tötung von Behinderten z. B. bei der Aktion T4, verantwortete die Deportation und Vernichtung von Roma und Menschenversuche an KZ-Häftlingen.
Die Friedrichswerdersche Kirche musste wegen irreperabler Bauschäden 2012 geschlossen werden. Diese Entstanden, weil beschlossen wurde, dass Luxuswohnungen direkt an der Kirche gebaut werden durften. Im Gegensatz zu 1781, wo beim Einsturz des Deutschen Doms jemand verhaftet wurde, wurde hier jedoch bisher kein einziges Gerichtsverfahren eingeleitet.
Es gibt verschiedene Theorien über den Namen der Jungfernbrücke. Sie könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich Berlins ältestes Bordell in der Nähe befand, eines Eifersuchtsmordes, der sich auf oder an der Brücke abgespielt haben soll oder der Hochzeitsbruch: Wenn die Braut über die Brücke ging und die Brücke knarrte, wurde ihre Jungfräulichkeit angezweifelt (die Brücke knarrte immer).
Die Führung endete an der Getraudenbrücke. Die Statue auf der Brücke zeigt die Äbtissin Gertrud des Klosters Nivelles, Schutzpatronin gegen Mäuse- und Rattenplagen. Es heißt, wenn man die Ratten an der Statue streichelt, bescherrt einem das einen Geldsegen.

