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Anna Bündgens: Durch Vergesellschaftung Mietenwahnsinn stoppen

Interview mit aktiver Mitstreiterin im Kiezteam Wedding

 

Wie bist du zum Kiezteam Wedding gekommen?

Im Herbst 2020 über ein Neueinsteigertreffen der Sammel-AG, ich habe es dann mit aufgebaut. Jetzt sind wir schon über 100, die in Wedding, Gesundbrunnen und teilweise in Reinickendorf Unterschriften sammeln. Wir treffen uns alle zwei Wochen zum Erfahrungsaustausch, planen Flyer- und Sammelaktionen, vernetzen uns mit Organisationen und halten Kontakt zu unseren zahlreichen Unterstützer*innen, die unabhängig vom Kiezteam sammeln gehen.

 

Wie habt ihr euch auf die Sammlung vorbereitet?

In einem zentralen Sammelrat halten die 14 Kiezteams Kontakt zueinander. Unsere sieben Arbeitsgruppen arbeiten auf Hochtouren und kümmern sich um Öffentlichkeitsarbeit, Kulturveranstaltungen, Demonstrationen und die Herstellung von Materialien. Eine spezielle Gruppe ist für die Hochschulen und Universitäten zuständig. Seit Anfang Februar gibt es eine App für Smartphones zum Koordinieren und Verabreden. 

 

Welche sind eure treffendsten Argumente bei der Sammlung?

Viele Menschen haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren und ihre vertraute Nachbarschaft verlassen zu müssen. Um ihre Profite zu maximieren, haben Deutsche Wohnen, Akelius, Vonovia und Co. in den letzten Jahren systematisches Entmietungsmanagement betrieben, etwa durch Modernisierungsmaßnahmen, Eigenbedarfskündigungen oder pure Schikanen gegen die Mieter*innen. Die Mietpreise sind explodiert. Wir denken, dass das Mittel der Vergesellschaftung der einzige Weg ist, diesen Mietenwahnsinn zu stoppen. Unsere Mieten würden dann nicht mehr in die Taschen der Aktionär*innen wandern, sondern könnten gesenkt und für die Instandhaltung der Häuser verwendet werden. Mir persönlich gefällt besonders die Idee, den enteigneten Wohnungsbestand in eine Anstalt öffentlichen Rechts zu überführen und demokratisch zu verwalten. Dieses Modell bietet einen völlig neuen Weg demokratischer Mitbestimmung bei der Gestaltung unserer Stadt.

 

Mit welchen Vorkehrungen in der Corona-Pandemie seid ihr in die Sammlung gegangen?

Wir haben in dieser Herausforderung ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet. Da geht es vor allem um Abstandsregeln, Maskenpflicht, regelmäßiges Desinfizieren oder Verschenken von Stiften. Die Unterschriftenlisten können selbst ausgedruckt und per Post verschickt werden. Oder man checkt auf unserer Webseite www.dwenteignen.de den kürzesten Weg zum nächsten solidarischen Ort - einem Späti, Buchladen oder Cafe' - und unterschreibt da. Auch in den Bürgerämtern in den Bezirken ist Unterschreiben möglich.

 

Das Interview mit Anna  Bündgens, 33, Aktivistin für Non-Profit-Organisationen in Münster und Berlin, machte Matthias Herold