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Auf der Suche nach dem Mietendeckel

Häuser geben keine Geheimnisse preis, Vermieter und Mieter lernen, dass „Mietendeckel“ kein neuer Name der Mietpreisbremse ist, sondern ein Berliner Unikat der Wohngerechtigkeit. Ich weiß es vom Hörensagen und durchs Pro und Contra der Medien. Wir wohnen 20 Jahre beim gleichen Privaten, Kaltmiete ok, Nebenkosten steigend, der Mietendeckel wird das nicht verhindern. Wer allerdings wie der Weddinger IT-Mann keiner Politik traut, denkt und sagt, Mieter wie er würden nach dem Deckeln weit höhere Nebenkosten zahlen, denn kein Vermieter verzichte auf sein Geld.

Seit 2010 sollen die Mieten in Berlin verdoppelt sein, in Mitte werden die meisten Berliner WBS-Anträge gestellt, bald könnte der Mietwucher für 5 Jahre stagnieren. Darüber wird zufrieden, erfreut, amüsiert, irritiert, auch verärgert gesprochen. Wer politisch desinteressiert ist, weiß von nichts, begnügt sich mit Gerüchten. Freundlich zurückfragend antwortet die behelmte Frau an der Ampel: „Cool! Wer teuer wohnt, zahlt jetzt 5 Jahre lang weniger Miete?“ Sie radelt los, bevor die Ampel auf Grün schaltet. Nicht mein Problem, sagt der Mann, der sorgsam Äpfel aussucht, wer eine Wohnung braucht, nimmt, was kommt. Zu wenig Neubau, zu leer der Markt, da wird die Miete nicht sinken. Ach, freut sich der junge Mann, das Warten vor der Badezimmertür geht zu Ende! Zieht die Mit-Mieterin aufs Land, könne er bei Mietminderung die kleine Wohnung auch allein bezahlen. In Mitte neu ist die Krankenpflegerin, die 300 Euro über dem Mietspiegel zahlt. Darauf hatte sie sich wie 340 000 andere bei der Wohnraumsuche eingelassen. Jetzt will sie aus Angst vor dem Vermieter keine Mietminderung verlangen. Einen Tag später langweile ich mit dem Thema Altvertragsmieter, genossenschaftlich, städtisch und privat Wohnende bei einer Geburtstagsfeier. Die winken ab, haben ein langes Mieter-Leben hinter sich, einer erzählt, dass die WBM nach dem Stichtag erfolglos 15 Prozent mehr Kaltmiete verlangt hatte, andere Vermieter sollen da erfolgreicher gewesen sein. Das weiß ich aus der Zeitung.

Berlin-Mitte baut neu, um, auf und aus, repariert und sperrt Brücken, entdeckt und kategorisiert Bodenfundstücke, Postämter wurden geschlossen, Geschäfte kommen und gehen. Jetzt sind die Bäckerpfannkuchen teurer, auch der Frisör hat wegen Mindestlohn und Gewerbemiete seine Preise erhöht. Schon deshalb käme mir der Mietendeckel gerade recht.

Irene Runge