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Begriff Faschismus (leider) wieder legitim

Vor gut 80 Jahren, am 27. Januar 1939, erließ der deutsche Beamte Hagemann einen Strafbescheid gegen Hildegard Meyerstein aus der Familie meiner Mutter. Ihr waren bei der Ausreise Gegenstände abgenommen worden: eine Armbanduhr und ein Armband. Das war ein Devisenausfuhrvergehen. Hildegard Meyerstein entkam dem Holocaust. Mehr als vierzig Familienmitgliedern gelang dies nicht. Der Faschist Höcke behauptet heute, Zuwanderung zerstöre die deutsche Kultur, und dies sei schlimmer als der historische Zivilisationsbruch des Holocaust.

Das ist doppelter Rassismus. Höcke hetzt gegen Migranten und verharmlost zugleich den Völkermord der deutschen Faschisten. Und er darf das und ist immer noch Beamter und Fraktionsvorsitzender in einem deutschen Landtag. Seine Reden grauenhaft: "Thüringer! Deutsche! Dreitausend Jahre Europa! Tausend Jahre Deutschland!... Die Angstträume werden größer in unserem Land. Gerade für blonde Frauen... und das im eigenen Land... Das ist unerträglich!"

Unerträglich, dass ein Faschist wieder so reden darf und sein Bundesfraktionsvorsitzender ihn als Mann der Mitte bezeichnet. Ist das Meinungsfreiheit? Nein - das ist verbaler Terror und wir erleben, wie schnell daraus realer Mord wird. Warum das alles? Das Kapital stellt sich auf alle Eventualitäten ein. Eine dogmatische Feststellung? Bis vor kurzem galt es auch als dogmatisch, den Begriff Faschismus zu gebrauchen. Jetzt, da ein deutsches Gericht diesen Begriff benutzt hat, dürfen wir es auch wieder. Wir müssen es, leider.

Ellen Brombacher