Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Die Friedensstatue in Berlin – Ein Mahnmal gegen sexuelle Gewalt

In Berlin-Moabit, an der Ecke Bremer Straße und Birkenstraße, steht seit dem 28. September dieses Jahres eine Statue. Sie stellt ein junges Mädchen in traditioneller koreanischer Tracht mit einem Vogel auf der Schulter dar, das scheinbar ruhig auf einem Stuhl sitzt. Neben ihr befindet sich noch ein leerer Stuhl. Das Ensemble wird von Blumensträußen umgeben, die Anwohner*innen und Aktivist*innen dort hinstellten. Doch die Ruhe täuscht. Ihre Haare sind nur grob geschnitten, die Fersen berühren nicht den Boden, und ihre Hände sind im Schoß zu Fäusten geballt. Das Kunstwerk strahlt Anspannung und Entschlossenheit aus.

Die Aktionsgruppe „Trostfrauen“ im Berliner Korea-Verband hatte die Friedensstatue gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Südkorea und Deutschland aufgestellt, nach erteilter Genehmigung eines Antrags bei der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum. Sie erinnert an das Schicksal von Hunderttausenden Mädchen und Frauen, die während des Asien-Pazifik-Kriegs (1931-1945) vom japanischen Militär verschleppt und als sogenannte „Trostfrauen“ sexuell versklavt wurden. Hier handelt es sich um historische Fakten, die jedoch von japanischen Rechten und Nationalisten seit Jahrzehnten geleugnet werden. So kam es nie zu mehr als halbherzigen Entschuldigungen, geschweige denn einer wirklichen historischen Aufarbeitung des Geschehens. Inzwischen ist die Statue in vielen Teilen der Welt als Symbol gegen sexualisierte Gewalt, ob in Konflikten oder Friedenszeiten, sowie gegen Geschichtsrevisionismus, bekannt.

Doch die Aufstellung der Statue in Berlin löste Protestreaktionen an höchster Stelle in Japan aus. Der japanische Kabinettssekretär und Regierungssprecher Katsunobu Kato kündigte am 29. September 2020 an, gegen die Aufstellung vorzugehen und die Statue entfernen zu lassen. Japans Außenminister Toshimitsu Motegi nahm laut der nationalistischen Tageszeitung Sankei Shinbun dahingehend Kontakt zum deutschen Außenminister Heiko Maas auf.

Der Widerruf der Genehmigung zur Aufstellung der Statue konnte durch Proteste auf der Straße und in Fraktionen der BVV sowie rechtlichen Schritten seitens des Korea Verbands gestoppt werden. Für den Moment steht die Statue noch, wahrscheinlich auch noch etwas länger. Die Stimmen in der Bezirkspolitik mehren sich, dass sie möglichst für immer stehen bleibt.

Benjamin Salzwedel