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Geisterstädte in der Innenstadt?

„Bauen, Bauen, Bauen“ ist das Mantra der SPD, der Baulobby und der Kapitalwirtschaft. Die Behauptung: Der Berliner Wohnungsmarkt ist aus dem Gleichgewicht, die Nachfrage nach Wohnungen ist größer als das Angebot, deshalb steigen die Mieten und die Kaufpreise. Wenn man mehr baue und das Angebot erhöhe, dann würden die Preise wieder sinken.

Der große Fehler in dieser Behauptung ist, dass es sich um eine Nachfrage nach Wohnungen handle, die die Mieten und Preise in die Höhe treibe. Das ist aber falsch. Es ist eine Nachfrage nach Kapitalanlagen. Kapitalanlagen sind aufgrund niedriger Zinsen extrem nachgefragt. Betongold gilt als sichere Anlage, es ist etwas Handfestes im Gegensatz zu den Finanztricks, die zur Finanzkrise 2008 geführt haben. Und diese Nachfrage ist so gewaltig, dass man Berlin zehnmal zubauen könnte und man würde sie nicht befriedigen können. Und die Logik von Kapitalanlagen ist eine gänzlich andere als die Logik von Wohnungen.

Wenn man eine Kapitalanlage anstatt einer Wohnung besitzt, macht es Sinn, sie leer stehenden zu lassen. So wie es bei hunderten Wohnungen in Alt-Mitte auf dem ehemaligen Mauerstreifen der Fall ist: Ruhige Kapitalanlagen, die 360 Tage im Jahr leer stehen, weil man kein Bock auf nervige Mieter hat und trotzdem vervierfacht sich der Wert in 10 Jahren – egal man dabei Geisterstädte erschafft.

Wenn man ein Wohnhaus als Kapitalanlage hat, dann macht es Sinn, die Wohnungen darin aufzuteilen und für 3800€ den Quadratmeter zu verkaufen, wie es die Deutsche Wohnen im Brunnenviertel in der Usedomer Straße gerade tut.

Als Kapitalanleger macht es Sinn, Modernisierungen durchzuführen, die die Miete von 500 € auf 1500 € hochtreiben, damit Zahnärzte in Schleswig-Holstein eine auskömmliche Rente haben.

Solange Kapitalanlagen anstatt Wohnungen entstehen, sorgt Neubau nicht für neue Wohnungen für Berliner*innen.

Der Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ ist, genauso wie die Überlegungen für einen Mietendeckel, der Versuch, Wohnungen wieder zu Wohnungen zu machen und den Kapitalmarkt aus dem Grundbedürfnis Wohnen hinauszuwerfen. Nur wenn man Wohnungen langfristig der Kapitalmarktlogik entzieht, kann man sicher sein, dass Neubau auch den Berliner*innen zu Gute kommt.

Die einzige Partei, die dafür kämpft, ist DIE LINKE. Darum ist es wichtig, ihr die Stimme zu geben und sie auch bei der kommenden Europawahl zu wählen.

 

Andreas Böttger