Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Großes Berlin groß denken

Rico Prauss
Carola Bluhm Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Abgeordnetenhaus von Berlin seit 2016. Carola Bluhm (* 16. November 1962 in Berlin; ist eine deutsche Politikerin (Die Linke). Sie ist seit 1991 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Von 2009 bis 2011 gehörte sie als Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales erstmals dem Senat von Berlin an. Im Jahr 1990 war sie Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Berlin. Im Jahr 1991 wurde Bluhm Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Von 1995 bis 2001 war sie zusammen mit Harald Wolf eine der beiden Fraktionsvorsitzenden; anschließend stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Ab Beginn der 16. Wahlperiode (2006) war sie bis 2009 Vorsitzende der Fraktion. Carola Bluhm wurde im Wahlkreis Mitte 2 direkt gewählt. Zwischen 2004 und 2005 war sie Mitglied der Enquête-Kommission des Abgeordnetenhauses „Eine Zukunft für Berlin“. Carola Bluhm war von 2009 bis 2011 als Nachfolgerin der in den Ruhestand verabschiedeten Heidi Knake-Werner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales. Da das Ergebnis der Berlinwahl 2011 eine Fortsetzung der Rot-Roten Koalition nicht möglich war, bildete die SPD unter Klaus Wowereit eine Koalition mit der CDU, so dass Bluhm mit dem Antritt des vierten Senats Wowereit zusammen mit den anderen Linke-Senatoren aus ihrem Amt schied. Nach der Berlinwahl 2016 übernahm sie am 11. Oktober 2016 gemeinsam mit Udo Wolf den Fraktionsvorsitz in einer Doppelspitze.

Eine knappe Mehrheit sorgte vor 100 Jahren dafür, dass die kreis­frei­en Städte Char­lot­ten­burg, Wilmers­dorf, Schö­ne­berg, Span­dau, Lich­ten­berg und Neukölln sowie die Gemein­de Köpe­nick und einige Dutzend Dörfer und Guts­be­zir­ke der Reichshauptstadt zugeschlagen wurden. Plötzlich war Berlin groß. Nur noch Los Angeles größer in der Fläche. Der Schauspieler Hanns Zischler hat mal gesagt, Berlin sei zu groß für Berlin. Viele meinen, dies habe damit zu tun, dass Berlin, diese große Stadt, aus einem Verwaltungsakt heraus entstanden ist. Nicht gewachsen, nicht aus starken Wurzeln in Höhe und Breite geschossen, stattdessen erst einmal Ergebnis eines Beschlusses. Aber was ist daraus Tolles geworden!

Gerade in diesen Jahren wurden die Diskussionen über die Alte Mitte mit neuer Liebe aufgenommen und weitergeführt. Das ist wichtig, denn natürlich stimmt es nicht, dass Berlin kein Zentrum hat. Nur fällt es gegenwärtig schwer, zwischen Spree und Alexanderplatz den Herzschlag zu spüren. Zwischen Großbaustellen (Humboldt-Forum, U-5, neue Hochhäuser), Shopping-Meilen und breiten Fahrbahnen, die den toten Traum der autogerechten Stadt verkörpern, wird die neue Liebe auf eine harte Probe gestellt und lässt sich gerade schwer argumentieren, dass dieser Gründungsort eine große Bedeutung für die Stadt hat. Hier ist Mitte! Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Berlins Mitte eine ewige Baustelle, ein Möchtegern-aber-kann-nicht, ein unerfüllter Traum von öffentlichem Raum, geschichtsträchtiger Architektur aller bisherigen Epochen und großer Aufenthaltsqualität bleiben wird. Richtig aber ist: Hier besteht gegenwärtig die größte Chance, öffentlichen Stadtraum gemeinsam, mit vielen Akteur*innen zu denken und zu gestalten. Das hat die Debatte um die Alte Mitte gezeigt, die 2016 vorerst abgeschlossen wurde, das zeigen die neuen Initiativen einer Wiederbelebung und Weiterführung dieser Debatte.

100 Jahre Großberlin ließe sich am besten mit einem solchen ergebnisoffenen, spannenden Dialog feiern. Mit einem Dialog, bei dem die Meinungen aufeinanderprallen und durch den aus verschiedenen Sichtweisen auf diese Stadt, auf ihr Zentrum und ihren Ursprung, etwas Neues entsteht. Wenn das gelingt, ist Berlin groß.

 

Carola Bluhm, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses