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Wenig Theater, viel Revue. ››Demokratie‹‹ im Deutschen Theater

Es geht um die Zeit, in der die westdeutsche Demokratie in die Moderne eingetreten ist, die Bonner Republik unter Kanzler Willy Brandt (1969 – 1974), und der Osten aufmerksam zugehört hat. Günter Guillaume, Deutschlands bekanntester Spion, sitzt als persönlicher Referent in der Höhle des Löwen und schwankt zwischen persönlicher Faszination für den Chef und seinem Auftrag gegen den Klassenfeind.

Es geht um die Zeit, in der die westdeutsche Demokratie in die Moderne eingetreten ist, die Bonner Republik unter Kanzler Willy Brandt (1969 – 1974), und der Osten aufmerksam zugehört hat. Günter Guillaume, Deutschlands bekanntester Spion, sitzt als persönlicher Referent in der Höhle des Löwen und schwankt zwischen persönlicher Faszination für den Chef und seinem Auftrag gegen den Klassenfeind.

Soweit die Fakten, der von Michael Frayn für die Bühne bearbeiteten Geschichte. Doch wie im Theater meistens, kommt es weniger auf den Inhalt, mehr auf die Form an. Und die hat es bei der Inszenierung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in sich:

Mittels Songs und Tänzchen wird Stimmung verbreitet – es schlagert heftig! Von Udo Jürgens über Hildegard Knef bis Rudi Carell ist alles dabei, was das Musikantenstadlherz höher schlagen lässt. Alles, was nicht unmittelbar mit dem Plot vom Aufstieg und Fall des Herrn Guillaume zu tun hat, wird auf Popmusik-Playbacks ausgelagert. Und das Personal der sozialliberalen Koalition (Wehner, Schmidt, Genscher) gibt die Animationen dazu. Willy Brandt, von Felix Goeser als deutscher Kennedy gespielt, bewegt sogar zum Rammsteintext die Lippen: „Ich will, dass ihr mir vertraut, [...] Ich will in Beifall untergehen”.

Dem gegenüber präsentiert sich Stasi-Agent Guillaume als sympathischer Arschkriecher. Trotz hochtoupierten Haaren, graubraunem Zweireiher und hellbraunen Slippern, gelingt es Daniel Hoevels, der Figur mehr als Entertainment zu verleihen. „Ich tat es alles nur aus Liebe“ johlt er seine Unentschiedenheit zwischen den Systemen heraus.

An sich ist die Popularisierung der leicht angestaubten Vergangenheit keine schlechte Idee, Theater darf natürlich unterhalten, aber nach dem fünfzigsten Gassenhauer wirkt die Verjüngungskur eher ermüdend, denn anregend. Wenn Politik als Spektakel präsentiert wird, dann ist aus dem zoon politikon der Zoo geworden – die vielleicht bedeutsamste Aussage des Abends. Was bleibt, ist weniger Theater als Revue, gute Laune garantiert. Wer`s mag.

Andreas Wiebel